BMW vs Mercedes – der etwas andere Carsharing-Vergleich

6 min Lesedauer
BMW und Mercedes – eine klassische RivalitĂ€t. Doch nun arbeiten die Autohersteller bei MobilitĂ€ts-Diensten zusammen. FĂŒr die Carsharing-Kunden bedeutet das: Sie können Autos der jeweils anderen Marke fahren. Ein BMW Fan in einem Mercedes, ein Mercedes Fan im BMW – zwei Carsharing-Nutzer haben fĂŒr uns das Experiment mit einem Augenzwinkern gewagt 


Es gibt Dinge im Leben, bei denen man sich entscheiden muss. „Star Wars“ oder „Star Trek“. Hundenarr oder Katzenfreund. Und vor allem: BMW oder Mercedes. Beides? Geht gar nicht, vor allem aus Sicht vieler Hardcore-Fans.

Doch nun haben sich die beiden sĂŒddeutschen Autobauer einander angenĂ€hert. Aus den Carsharing-Anbietern DriveNow (BMW Group) und Car2Go (Daimler) ist das gemeinsame Angebot SHARE NOW geworden. Mehr als eine Million Carsharing-Nutzer in Deutschland erhalten damit ein wesentlich grĂ¶ĂŸeres Angebot an Fahrzeugen.

Dieser fusionierte Fuhrpark baut auch BrĂŒcken. Denn selbst eingefleischte Markenfans können nun unkompliziert ein Fahrzeug des großen Konkurrenten ausprobieren. Und genau dieses Survival-Experiment haben zwei Carsharing-Nutzer fĂŒr die BMW.com gewagt.

Daniel M. aus MĂŒnchen ist leidenschaftlicher BMW Fahrer und fĂŒr uns in einen Mercedes GLA aus der Flotte von Car2Go gestiegen. Katharina K. aus Stuttgart ist Mercedes AnhĂ€ngerin und absolviert den Selbstversuch in einem BMW X2 von DriveNow. 

Und, wenn Sie uns dieses Click-Baiting gestatten: Sie werden nicht glauben, was dann passiert ist! Aber das erzÀhlen Ihnen die beiden am besten selbst.

Ein BMW Fan im Mercedes – zum Blinken verdammt

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Daniel M. ist 34 Jahre alt und Architekt aus MĂŒnchen. Der eingefleischte BMW Fan hat sich fĂŒr unser Experiment erstmals hinter das Steuer eines Mercedes gesetzt.

Ich wĂŒrde mich von meinem Job trennen, von all meinem Geld, aber niemals von meiner Automarke. Schon die Fahrschule habe ich mir danach ausgesucht, dass sie BMW fĂ€hrt. Ein Taxi mit Stern auf der Haube betrete ich nur im Ă€ußersten Notfall (z.B. wenn es Hunde und Katzen regnet). Und laut meinem Arzt habe ich zwei kerngesunde Nieren. Möge die Freude am Fahren fĂŒr ewig mit mir sein!

Doch nun bröckelt meine jahrzehntealte Weltordnung. BMW und Mercedes machen gemeinsame Sache, zumindest beim Carsharing. Und weil mich die Redaktion der BMW.com so nett gefragt hat, habe ich mich zum ersten Mal in einen dieser Wagen vom anderen Stern gewagt, einen Mercedes GLA.

Mein erster Eindruck von außen: alles recht rund hier. Was mir aber nach dem Einsteigen wirklich gut gefĂ€llt, ist die coole Lederausstattung. Es gibt also tatsĂ€chlich Mercedesse (sagt man das so?) ohne die abwaschbaren Kunstledersitze, die ich aus Taxis kenne. Noch schöner sind die Propeller (➜ Das BMW Logo – Bedeutung und Geschichte) der LĂŒftungsdĂŒsen. Ein StĂŒckchen Heimat in dieser fremden Welt. Und was ist das? Ein ZĂŒndschloss! Wie liebenswert altmodisch ist das denn?! Voller Nostalgie denke ich an mein erstes Auto zurĂŒck, einen E46 mit richtigem ZĂŒndschloss.

Nun aber beginnen die Probleme. Denn es ist ja so: In meinem BMW 330i ist alles dort, wo es zu sein hat. Beim Mercedes GLA ist manches ganz woanders. Wo befindet sich zum Beispiel der Hebel fĂŒr die Handbremse? Jedenfalls nicht auf der Mittelkonsole. WĂ€hrend ich mich schon mit dem GLA beim nĂ€chsten Einparken rĂŒckwĂ€rts einen Berg runterrollen sehe, erinnere ich mich an eine verrĂŒckte Geschichte, die man sich unter BMW Freunden erzĂ€hlt: Zum Arretieren der Handbremse soll es bei Mercedes ganz links ein zusĂ€tzliches Pedal gegeben haben. Bis zu vier Pedale – noch eines mehr, und man könnte da unten eine kleine Orgel spielen. „Ganz links“ ist jedenfalls bis heute das korrekte Stichwort fĂŒr den Handbremsen-Schalter bei Mercedes.

Auf in die Stadt! Aber wo ist jetzt der Hebel fĂŒr die Automatik? Auch nicht in der Mittelkonsole. Ich entdecke ihn rechts am Lenkrad, wo der Hebel fĂŒr den Scheibenwischer hingehört. DafĂŒr ist der Scheibenwischer links – am Blinkerhebel! Freunde, ich bin BMW Fahrer, ich blinke nie! Wie soll ich je den Scheibenwischerhebel finden, wenn er am Blinker ist? So bin ich zum BerĂŒhren dieses Griffels verdammt.

Nachdem alle Mercedes Mysterien gelöst sind: endlich losfahren. Und was soll ich sagen? Dieses Ding fĂ€hrt sich herrlich bequem. Jetzt verstehe ich, warum Mercedes Halter im Schnitt gut zwei Jahre Ă€lter sind als BMW Halter. Aber hey, muss mich der Bursche am Drive-in-Schalter beim Anblick „meines“ Car2Go Mercedes deshalb gleich anbrĂŒllen, als wĂ€re ich schwerhörig?

Geschenkt. Das Fahren im GLA ist wirklich angenehm und entspannend. Vielleicht kaufe ich mir ja doch mal einen Daimler, so in 20 oder 30 Jahren. Damit geht meine Probefahrt auch schon wieder zu Ende. Hat Spaß gemacht. Jetzt regnet es. Wo ist noch mal dieser verflixte Scheibenwischer?

Ein Mercedes Fan im BMW – best friends mit jedem Kanaldeckel

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Katharina K. ist 36 Jahre alt und Ärztin aus Stuttgart. Die glĂŒhende Mercedes AnhĂ€ngerin hat sich fĂŒr unser Experiment erstmals hinter das Steuer eines BMW gesetzt.

Nach meiner Geburt hat mich mein Vater, der natĂŒrlich beim Daimler schaffte, in unserem Mercedes 300 D aus dem Krankenhaus abgeholt. SpĂ€ter hat er mir verkĂŒndet, ich solle bloß keinen BMW Fahrer als Freund mit nach Hause bringen. Das hĂ€tte ich aber ohnehin niemals gemacht. Ehrensache. Man hĂ€lt als Fußballfan schließlich auch nicht heute zum VfB Stuttgart und morgen zum FC Bayern MĂŒnchen, bloß weil man es sich anders ĂŒberlegt hat. Das gehört sich nicht. Ich greife nach dem Stern und nur nach dem Stern.

Nun aber wage ich den Seitensprung und probiere aus, wie es sich in einem dieser Modelle mit dem weißblauen Propeller fĂ€hrt. Mein erster Gedanke, als ich mich dem BMW X2 nĂ€here: cooles Goldmetallic. Aber warum guckt der so böse? SpĂŒrt er, dass gleich eine unschuldige Mercedes Fahrerin am Steuer sitzt? Hat BMW eine kĂŒnstliche Intelligenz mit Daimler Detection eingebaut?

Was mir noch auffĂ€llt: vier BMW Logos außen am Auto. Immer diese MĂŒnchner mit ihrem „Mia san mia“ 
 Innen alles trĂšs chic. Trotzdem klebe ich einen Mercedes Stern ĂŒber das BMW Logo auf dem Lenkrad, das beruhigt meine Nerven.

Dann wĂŒrde ich gern losfahren. Aber irgendwie ist in diesem BMW X2 kaum etwas da, wo es in einem vernĂŒnftigen Auto wie meiner Mercedes A-Klasse hingehört. Handbremse, Automatik-Hebel, Scheibenwischer – BMW hat sie sehr sorgfĂ€ltig vor mir versteckt. Aber nicht mit Kathi, Freunde! Irgendwann finde ich alles. Und ich staune.

Denn es gibt tatsĂ€chlich einen Blinkerhebel! Hat schon mal jemand einen BMW blinken sehen? Na eben. Vermutlich also DriveNow-Sonderausstattung fĂŒr Leute wie mich, die Carsharing-bedingt nun auch BMW fahren können (wenn sie denn wollen). Der X2 blinkt sogar nach rechts, wenn man das ausdrĂŒcklich möchte. Dabei ziehen nur Sahra Wagenknecht und Arjen Robben entschlossener nach links als ein BMW Fahrer auf der Autobahn.

Die ersten Kilometer sind gefahren, und was soll ich sagen: Dieses Ding flitzt um die Kurven, das macht Spaß. Wobei: Ich bin jetzt best friends mit jedem Kanaldeckel der Stadt. A bissle knackig, wie wir Schwaben sagen, fĂ€hrt sich der BMW X2 schon. Wenn BMW so rasante Autos baut – warum waren die eigentlich 1983, also gefĂŒhlt kurz nach dem Krieg, zum einzigen Mal Formel-1-Weltmeister? Wir von Mercedes, just saying, holen diesen Titel jedes Jahr.

DurchgeschĂŒttelt wie Lewis Hamilton in Monaco, endet an einer Tankstelle mein BMW Abenteuer. Ich gehe wie gewohnt hinten links zum Tanken – und finde: nichts! Soll ich jetzt meinen eigenen Stutzen in die Karosserie bohren? Immerhin verstehe ich nun den Sinn und Zweck der zwei zusĂ€tzlichen BMW Logos hinten seitlich. Sie sollen die SHARE NOW-Kunden daran erinnern, dass sie einen BMW fahren und auch beim Tanken mal die Seite wechseln sollten. War auf jeden Fall ein Erlebnis. Thank you shary much!

Illustrationen: Tommy Parker

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