Freiheit aus jeder Perspektive

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Ellen von Unwerths Erfolgsrezept ist der ganz eigene Blick auf Weiblichkeit. Bei einer Fahrt mit dem neuen BMW 8er Gran Coupé durch Paris spricht die Starfotografin mit uns über Female Empowerment, über das, was sie antreibt, und die Kraft, sich selbst treu zu bleiben.

22. September 2020

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In Zeiten großer Ungewissheit spielen inspirierende Menschen eine wichtige Rolle für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Ihre persönlichen Erfolgsgeschichten können Denkanstoß und Motivation zugleich sein. Die Modefotografin Ellen von Unwerth ist eine dieser außergewöhnlichen Persönlichkeiten. Seit Jahrzehnten prägt die gebürtige Frankfurterin Kunst und Medien mit ihrem eigensinnigen, typischen Stil zu fotografieren. Ihre Fähigkeit ist legendär, Models ein Maximum an Ausdruckskraft zu entlocken – mit einer behutsamen Regie, die ihnen buchstäblich Spielräume lässt, Leichtigkeit zu entwickeln. Manchmal sind es sogar Motive, die unmittelbar nach dem offiziellen Ende eines Shootings entstehen, in denen die Fotografin den perfekten Moment einfängt.

Dabei kennt sie beide Seiten der Linse: Sie modelte selbst zehn Jahre lang – eine Erfahrung, mit der sie den Grundstein für ihre Karriere als Fotografin legte. Weltweite Anerkennung erlangte Ellen von Unwerth 1989 durch die Guess-Kampagne mit Claudia Schiffer. Ihr Werk umfasst mittlerweile ganze Regale opulenter Bildbände, Museen würdigten ihre Kunst in zahlreichen Ausstellungen, wie zum Beispiel mit der Retrospektive „Devotion! 30 Years of Photographing Women“ die im Fotografiska Museum in Stockholm gezeigt wurde, ebenso wie bei der Eröffnung des neuen Fotografiska Museums in New York.

Im Interview spricht Ellen von Unwerth über Leadership und innere Stärke, über Unabhängigkeit und Verantwortungsbewusstsein sowie über ihre persönlichen Inspirationsquellen.

Im Video: Ellen von Unwerth und ihre persönliche Reise

Frau von Unwerth, haben Sie das Gefühl, einen ganz eigenen Blick auf die Welt zu haben? Ist es das, was Sie als Fotografin von anderen Menschen unterscheidet?

Ellen von Unwerth:
Jeder hat seine eigene Sichtweise. Ich glaube nicht, dass sich meine Wahrnehmung von der unterscheidet, die der Rest der Welt hat. Aber ich habe das fotografische Auge. Das ist der Drang, eine Situation, einen Moment, ein schönes Licht, einen Ausdruck, eine Bewegung festzuhalten. Es ist auch der Wunsch, eine Idee umzusetzen, die ich im Kopf habe – sie mit einem kreativen Team und mit Schauspielern zu formen und sie dann in einem Bild einzufangen. Das fotografische Auge ist also eine Mischung aus Geist und Augen.

Was treibt Sie an?

Ellen von Unwerth:
Ich bin fasziniert von Menschen und Geschichten im Allgemeinen. Was mich dazu bringt, jeden Tag zur Kamera zu greifen und Fotos zu machen, sind vor allem die Menschen, die ich treffe und die mich anregen. Es sind auch die Geschichten, die ich erzählen möchte, inspiriert vom wirklichen Leben, aber auch von Filmen und Gemälden. Als Fotografin bewege ich mich da zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

© Ellen von Unwerth

Was ist Ihrer Meinung nach Ihre Bestimmung?

Ellen von Unwerth:
Mein Bestreben ist es, Menschen zu inspirieren, ihnen Freude zu bereiten oder Gefühlsregungen zu provozieren. Ich möchte Augenblicke des Lebens verewigen, damit sie für zukünftige Generationen erhalten bleiben als visuelles Zeitzeugnis dessen, was ich erlebt habe.

Wie haben Ihre Lebenserfahrungen Ihre Vision entwickelt? Wie prägend war Ihre Zeit in einem Zirkus?

Ellen von Unwerth:
Als Kind hatte ich den Traum, eine Prinzessin zu werden. Ich wickelte mich in federleichte Stoffe und tanzte durchs Haus. Zu meiner großen Enttäuschung sagte man mir, ich sollte lieber ein Clown werden. Damals wusste ich nicht, dass diese Möglichkeit später in greifbare Nähe rücken würde. Kurz nachdem ich die Schule beendet hatte, kam der Zirkus Roncalli in unsere Stadt. Ich war sehr aufgeregt. Nachdem ich die Aufführung gesehen hatte, ging ich zum Direktor, um zu fragen, ob ich bei ihm arbeiten und auftreten könnte. Er sah mich an und sagte: „Du kannst morgen anfangen.“ Und er meinte nicht als Clown, sondern in einer ernsten Rolle als Zirkusmädchen. Natürlich spielt diese Erfahrung eine große Rolle in meinem kreativen Prozess, ebenso wie jene, kurze Zeit als Hippie in einer Gemeinde in den bayerischen Bergen gelebt zu haben.

Was war die wichtigste Etappe Ihrer persönlichen Entwicklung als Künstlerin?

Ellen von Unwerth:
Meine künstlerische Karriere ist eine Reise. Ich arbeite praktisch immer, reise permanent um die Welt und treffe unglaubliche Menschen. Ich bin glücklich und dankbar, dass ich so leben kann, indem ich tue, was ich gern tue. Einige Ereignisse in meinem Leben sind vielleicht bemerkenswerter als andere, da sie große Veränderungen in meiner Karriere brachten. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Guess-Kampagne mit Claudia Schiffer. Denn das hat mir geholfen, weltweit Anerkennung zu erlangen. Kürzlich erst fand eine meiner Museumsausstellungen statt, eine Retrospektive mit dem Titel „Devotion! 30 Years of Photographing Women“, die im Museum Fotografiska in Stockholm und dann zur Eröffnung des neuen Fotografiska Fotomuseums in New York gezeigt wurde.

Was ist der wichtigste Motor Ihrer Entwicklung als Person?

Ellen von Unwerth:
Ich unterscheide nicht wirklich zwischen meinem Leben als Mensch und dem als Künstlerin. Natürlich bin ich eine öffentliche Person, habe aber auch mein Privatleben – und beides trenne ich gern voneinander. Dennoch bin ich ständig kreativ und neige dazu, permanent über meine Projekte nachzudenken. In meinem Bemühen, ich selbst zu sein, spielt meine Familie die wichtigste Rolle.

Hat Ihre Zeit als Model Ihren Stil als Fotografin beeinflusst? Hat das Ihre Methode geprägt, wie Sie Frauen inszenieren und fotografieren wollten?

Ellen von Unwerth:
Ich habe zehn Jahre lang selbst als Model gearbeitet, daher habe ich viele Shootings und Produktionen auf dieser Seite der Kamera erlebt. Ich bin sehr temperamentvoll und kehrte immer meine Persönlichkeit nach außen. Meine größte Frustration lag darin, dass man mir stets sagte, ich solle still stehen und ausdruckslos agieren, wenn ich posierte. Als ich mit dem Fotografieren begann, trug ich die Idee in mir, genau diese Persönlichkeit, Ausdrucksstärke, den Selbstwert und die Schönheit der Menschen herauszustellen. Die Welt sollte sie auf eine andere Art und Weise sehen – sozusagen durch meine Augen. Ich wollte, dass das Leben aus den Bildern regelrecht hervorbricht. Dieser Aspekt steht immer im Vordergrund, wenn ich Frauen fotografiere. Sie sollen sie selbst sein können und Spaß dabei haben. Das bestärkt sie darin, als Mensch und nicht als Objekt gesehen zu werden.

Welchen Stellenwert hatten persönliche Freiheit und Autonomie zu verschiedenen Zeitpunkten Ihrer Karriere?

Ellen von Unwerth:
Ich war im Lauf meiner Karriere immer sehr autonom. Das Internet macht es Kreativen wie mir leicht, eigene Arbeiten zu teilen und eine Plattform und eine Gemeinschaft zu schaffen, die einen Künstler direkt mit seinem Publikum verbindet. Ich nutze gern soziale Medien, um meine Arbeit zu zeigen. 2018 habe ich zudem mein eigenes Printmagazin namens „Ellen von Unwerth’s VON“ ins Leben gerufen. Es gibt mir die Möglichkeit, die Geschichten, die ich fotografisch festgehalten habe, mit Menschen zu teilen, ohne den Druck und die Zensur, die mit größeren Medien einhergehen können. Ich finde es großartig, mit High-End-Medien und großen Marken zusammenzuarbeiten und unabhängig davon meine eigenen Projekte verfolgen zu können.

Was ist Ihre größte Angst?

Ellen von Unwerth:
Klone! Ich fürchte mich ein wenig vor dem Weg, den Technik und Wissenschaft hier nehmen könnten. Die Einzigartigkeit des Menschen ist unsere größte Stärke.

Wie – und was lernen Sie aus Ihren dunklen Stunden?

Ellen von Unwerth:
Man sollte immer zusehen, dass das Glas halb voll ist, nicht halb leer.

 

Ich möchte Augenblicke des Lebens verewigen, damit sie für zukünftige Generationen erhalten bleiben – als visuelles Zeitzeugnis dessen, was ich erlebt habe.
Ellen von Unwerth

Gab es Momente, in denen Sie Ihrem Instinkt und Ihrer kreativen Vision folgten, anstatt auf jene zu hören, die andere Meinungen über Ihre Kunst und Ihre Ambitionen hatten?

Ellen von Unwerth:
Die Freiheit ist ein immens wichtiges Gut, das es als Künstler zu erhalten gilt. Ich habe Menschen getroffen, die versuchten, mich herunterzuziehen, meinen Stil oder den Lauf meiner Karriere zu ändern, indem sie mir Ratschläge gaben, welche Richtung ich einschlagen solle. Ich glaube, es ist wichtig, dem treu zu bleiben, was man tun möchte. Und ebenso seinem Stil. Trends kommen und gehen. Man muss auf sein Herz hören, dem nachgehen, was einen begeistert, auch wenn es nicht jedermanns Geschmack ist.

Gibt es ein Denkmuster, das die Grundlage Ihres Erfolgs ist?

Ellen von Unwerth:
Ich glaube, das Verständnis von Erfolg unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Für mich besteht der Erfolg darin, dass ich mein Talent erkannte und davon leben kann, dafür geschätzt zu werden. Was mich dazu befähigt, sind mein Führungsstil, eine positive, aufgeschlossene und kreative Denkweise – und sehr harte Arbeit.

Gibt es ein Projekt, bei dem Sie besonders schwierige Umstände überwinden mussten?

Ellen von Unwerth:
Ich habe einen ganz bestimmten Stil. Die Kunden wenden sich an mich, weil sie genau das möchten. Es kommt selten vor, dass sie etwas verlangen, das von meinem Stil abweichen würde. Und wenn es schwierig zu werden scheint, betrachte ich es als Herausforderung. Manchmal ist das Ergebnis überraschend und ändert meinen Blickwinkel. Öffnet mir die Augen. Auch das Casting für ein Shooting ist sehr wichtig für mich, ich brauche wirklich Leute, mit denen ich auf einer bestimmten Wellenlänge bin. Das hat gar nichts mit der Sprache zu tun. Aber wenn die Chemie nicht stimmt, fällt es mir schwer, gute Bilder zu machen. Notfalls ziehe ich mein Ass aus dem Ärmel: Ein Glas Champagner kann wahre Wunder bewirken.

Was möchten Sie, gesellschaftlich gesehen, bewirken?

Ellen von Unwerth:
Man hat mir oft gesagt, meine Bilder seien lebendig und würden den Menschen Freude bereiten. Ich denke, wenn ich anderen Freude bereiten kann, indem ich meine Sichtweise, einen weiblichen Blick, darlege, dann ist das mein Einfluss auf die Gesellschaft. Female Empowerment rückt mehr und mehr in den Fokus. Menschen erkennen, dass meine Arbeit die Gesellschaft beeinflussen kann, indem ich Frauen und deren Weiblichkeit in ihrer Einzigartigkeit, Stärke und Persönlichkeit festhalte.

Wer inspiriert Sie?

Ellen von Unwerth:
Ich lasse mich von vielen verschiedenen Dingen inspirieren. Ich bekomme zahlreiche Ideen und Anregungen aus dem Leben – aus Filmen, von Menschen, Musik, Partys, Performances, Gemälden, ja, auch aus Träumen. Berühmte Fotografen wie meine Favoriten Helmut Newton und Jacques-Henri Lartigue inspirieren mich. Als besonders inspirierend empfinde ich Designer und die Kleider, die sie entwerfen, die Modenschauen, die sie ausrichten. Wenn man die Essenz des Universums eines Designers einfangen kann, entsteht eine sehr reiche Geschichte. Ich fotografiere seit mehr als 30 Jahren Mode, und ich kann nie genug von unglaublicher Kleidung bekommen.

Fotos/Video: CNN; Autor: Markus Löblein