5 min Lesedauer

Im Auto der Zukunft könnte mehr als die Fahrt selbst im Fokus stehen:

Innovative Kommunikation und neue Möglichkeiten der Zeitnutzung sind nur 2 Beispiele. Finden Sie heraus, was das Auto der Zukunft ausmacht und wie das Fahrzeug oder einzelne Komponenten vielleicht sogar eine andere Verwendung finden könnten.

„Er kommt: Knight Rider – Ein Auto, ein Computer, ein Mann“, so verkündete in den 80er-Jahren eine Stimme aus dem Off die futuristische Dreifaltigkeit zu Beginn jeder Folge. K.I.T.T., wie die einprägsame Kurzform des „Knight Industries Two Thousand“ lautete, stammt aus einer Zeit, als es weder Internet noch Mobiltelefone oder digitale Assistenten gab. K.I.T.T. verkörperte die Vision von einem Auto der Zukunft und war seiner Zeit weit voraus. Und ein bisschen ist er es auch heute noch:

  • Freisprechanlage in den Fahrzeugen? Abgehakt.
  • Eine sprechende künstliche Intelligenz, mit der sich der Autofahrer über eine Armbanduhr unterhalten kann? Erledigt.
  • Autonom fahrende Autos im Alltag? Noch nicht. Noch…

Wir wagen einen Blick in die Zukunft, werfen Hypothesen auf, schauen, wie das Auto der Zukunft aussehen könnte und diskutieren Funktionen, die das Auto neben dem Personentransport noch mit sich bringen könnte.    

Das Auto der Zukunft und was von der Gegenwart noch übrigbleibt

Auch wenn noch vieles unklar ist, gibt es bereits einige zukunftsweisende Visionen, die sich Experten für das Auto der Zukunft ausmalen. Doch eines ist so gut wie sicher: Das Auto der Zukunft fährt elektrisch, vollvernetzt und autonom (➜ Die 5 Stufen auf dem Weg zum Autonomen Fahren). Diese zukunftsweisenden Trends könnten viele gewohnten Bestandteile eines Autos verändern oder sogar komplett überflüssig machen.

Die Steuereinheiten im Auto der Zukunft

Die Dramaturgie verlangte es, dass der Held selbst das Fahrzeug übernahm, auch wenn K.I.T.T. eigentlich hätte autonom fahren können. Halsbrecherische Verfolgungsjagden wirken eben nur noch halb so lässig, wenn sich der Held im Fahrzeugcockpit einfach zurücklehnt und sich in der Zwischenzeit anderen Aufgaben widmet. Wie diesbezüglich tatsächlich die Zukunft aussieht, dabei spalten sich die Meinungen der Experten noch: Die einen sprechen davon, dass heroische Lenk- und Bremsmanöver im Auto der Zukunft nicht mehr notwendig sein müssen. Andere sehen die Möglichkeit, dem Menschen die Wahl zu geben, sodass er auf Wunsch immer noch die Fahrkontrolle übernehmen kann, so unter anderem auch BMW. 

Die Motorisierung des Autos der Zukunft

Auch wenn sich momentan ein genauer Zeitraum noch nicht definieren lässt – es kann passieren, dass der reine Verbrennungsmotor in einer unbestimmten Zukunft maximal noch als Exponat im Museum zu bestaunen sein wird. Aus dem Brummen der Gegenwart wird vielleicht das Surren der Zukunft – das Elektroauto – das Auto der Zukunft. Unentschieden ist noch, welche E-Mobilitätsvariante die marktdominierende Nachfolge des Verbrennungsmotors wird (➜ Hybrid, Plug-in & Co. – der große Elektroauto-Vergleich). 

Die kommunizierenden Elemente

Trotz vieler Veränderungen der Technik behält das Auto der Zukunft aller Voraussicht nach noch einige kommunikative Systeme, die Fahrzeuge auch derzeit besitzen. 

Beispiel 1: Blinker und Bremslicht

  • Beide Lichter dienen zur Kommunikation mit anderen Verkehrsteilnehmern und werden aller Voraussicht nach erhalten bleiben. 
  • Zu erwarten ist, dass das Auto der Zukunft sogar noch mehr Möglichkeiten der Lichtkommunikation nutzen wird. 
  • Noch können Autofahrer per Handzeichen oder Blickkontakt mit anderen Verkehrsteilnehmern kommunizieren. Fußgängern kann so vermittelt werden, dass die Straße gefahrlos überquert werden kann. Autonomen Fahrzeugen würde diese Möglichkeit fehlen, weshalb Experten schon an verschiedene neue Möglichkeiten für Lichtkonzepte denken – seien es in die Karosserie integrierte Displays oder Scheinwerfer, die eindeutige Signale auf die Straße projizieren.

Beispiel 2: Die Hupe

  • Die Hupe wird wohl deutlich seltener zu hören sein als heutzutage. 
  • Sie dient voraussichtlich nicht mehr als Frustventil in einer Autoschlange, zur Verkündung der eigenen Ankunft und schon gar nicht als Mittel der Nötigung, weil das vorausfahrende Fahrzeug nicht schnell genug ist.
  • Sie wird vollautomatisiert nur noch zu ihrem eigentlichen Zweck betätigt.

Das Auto der Zukunft wird multifunktional

Durch die Technik des autonomen Fahrens entstehen ganz neue Möglichkeiten, den Raum im Fahrzeuginneren zu definieren. Im Idealfall ist das Auto der Zukunft daher…

… ein rollendes Büro

Schon heute bieten zugelassene Fahrzeuge aus dem Premiumsegment verschiedene Features, die sie zu rollenden Büros werden lassen. Dazu zählen Schnitt- und Ladestellen für Laptop oder Smartphone, integrierte WLAN-Hotspots für diverse mobile Endgeräte und große Bildschirme für Präsentationen und Videokonferenzen. Jedoch müssen sich Autofahrer gegenwärtig noch einen Parkplatz suchen, um in ihrem mobilen Büro der Arbeit nachzugehen. Fährt das Auto in Zukunft autonom, kann die Arbeit potenziell auch während der Fahrt erledigt werden. Viele Experten gehen daher davon aus, dass im Auto der Zukunft eine nutzbare Arbeitsfläche für Schreibarbeiten oder als Ablageplatz für den Laptop fester Bestandteil sein könnte. 

… ein Wohnzimmer auf Reisen

Auch die jetzige Sitzanordnung in Reihen ist dem Umstand geschuldet, dass der Autofahrer stets die Augen auf der Straße und die Hände am Lenkrad haben sollte. Die Sitze im Auto der Zukunft könnten dagegen wesentlich flexibler sein. Einige Fachleute gehen sogar davon aus, dass sich die Vordersitze flexibel auf verschiedene Betriebsmodi einstellen lassen könnten. Vielleicht befindet sich in der Mitte des Fahrzeugs auch ein Tisch, der zum gemeinsamen Essen einlädt oder sich für Gesellschaftsspiele eignet. In jedem Fall birgt das Auto der Zukunft das Potential, zum Wohlfühlort (➜ Was macht einen Ort zum Lieblingsort?) für dessen Insassen zu werden.

… ein Kino auf vier Rädern

Das Auto der Zukunft dürfte sich vor allem bei längeren Fahrten zu einem rollenden Kino entwickeln. Bedenken, dass der Filmgenuss den Fahrer ablenkt, wären laut den Plänen bei einem autonom fahrenden Auto hinfällig. Je nach Autohersteller könnten raumeinnehmende Elemente wegfallen bzw. einklappbar sein, sodass reichlich Platz für einen oder mehrere Bildschirme entsteht. Alternativ ließen sich während der Fahrt natürlich auch Videogames spielen. Offen bleibt, ob als Screen in Zukunft noch verbaute Bildschirme dienen, oder ob die Unterhaltung direkt auf die Windschutzscheibe projiziert wird, wie erste Studien bereits zeigen.

… eine Begegnungsstätte urbaner Mobilität

Für die Stadt, da sind sich die Experten einig, sind neue Mobilitätskonzepte überfällig (➜ Die 5 Trends der urbanen Mobilität). Einige sind der Meinung, dass in Zukunft kaum noch jemand allein im Auto unterwegs sein wird. Stattdessen könnten Flotten von autonomen Taxis im Einsatz sein, die unterwegs noch weitere Passagiere mit dem gleichen oder einem auf der Strecke liegenden Ziel einsammeln. Dieses Szenario lässt zumindest der aktuelle Carsharing-Trend vermuten (➜ Shared Mobility). Doch ob das Auto der Zukunft tatsächlich in dieser Form zur Begegnungsstätte urbaner Mobilität wird, ist unklar. Zu stark ist das Bedürfnis, sich beispielsweise auf dem Heimweg entspannt zurück zu lehnen und Entertainmentangebote wahrzunehmen, auf einer kurvigen Landstraße auch einmal selbst zu Fahren oder mit den Liebsten zusammen im eigenen Auto zu sitzen.

… ein komfortables Hotel

Wie geschildert, wird das Auto den Fahrer in Zukunft immer stärker entlasten.  Demnach wäre es nur folgerichtig, wenn die Hersteller diese neue Technik in den Interieur-Designs ihrer Fahrzeuge berücksichtigen. Wohlfühlen steht vor Funktionalität, die Technik rückt in den Hintergrund. Experten sprechen hier von Shy Tech und zeichnen ein Bild vom Auto der Zukunft, das demzufolge oft so komfortabel ist, dass die Passagiere während der Fahrt einen erholsamen Schlaf finden.

Zukunftsmalerei oder schon bald Realität?

Im bayerischen Dingolfing plant BMW in seinem dortigen Werk ab 2021 den Bau des BMW iNext. Dieses hochautomatisierte Auto soll gänzlich vernetzt sein und vollkommen elektrisch fahren können.

Wann hingegen das vollautomatisierte Fahren Realität wird, darüber scheiden sich die Geister der Experten aktuell.  Ab 2030, so eine Studie des Forschungsinstituts Prognos, die für den ADAC erstellt wurde, dürften Autos, die sowohl auf der Autobahn als auch in der Stadt allein fahren können, Marktreife erlangen. Andere sehen das Jahr 2040 für Level 5 eher als realistisch an. K.I.T.T. müsste jedenfalls gut 100 Jahre alt sein, bis schließlich nur noch autonome Fahrzeuge den Verkehr bestimmen.

Der Autor

Andreas Fuhrich ist Redakteur bei Trend Report und zuständig für Mobilitäts-, Finanz- und Digitalisierungsthemen. Durch Hintergrundgespräche mit Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft erhält er Einblicke in die Welt von morgen, die es ihm ermöglichen, am Puls der Zeit zu schreiben.

MIT VOLLEM SCHUB IN DIE ZUKUNFT

Der BMW Vision M NEXT

Mehr erfahren