Autonomes Fahren: Das Licht im Dunkel

7 min Lesedauer

Autonomes Fahren wird blinde Menschen im Alltag künftig enorm unterstützen.

Aber wie fühlt sich das an: eine autonome Fahrt in völliger Dunkelheit? Wir haben es ausprobiert: bei einer spektakulären Testfahrt im Dunkeln. In einem Interview mit Miro Miletic – selbst sehbehindert und Ausstellungsleiter bei „Dialog im Dunkeln“ – erfahren Sie, wie sich die Testfahrt für ihn anfühlte und er sich das Auto der Zukunft vorstellt.

In der Ausstellung „Dialog im Dunkeln“ in Hamburg erleben Besucher den Alltag eines Blinden. Sehbehinderte Führer begleiten sie dabei durch Stationen wie Stadt, Bar oder Park. In Zusammenarbeit mit „Dialog im Dunkeln“ erweiterte BMW die Ausstellung im Rahmen eines Experiments um eine Station. 

In kompletter Dunkelheit nahmen die Passagiere in einem BMW i3 Platz. Was sie nicht wussten: Es sollte eine große Überraschung auf sie warten. Die Reaktionen: unbezahlbar! Sehen Sie selbst. 

Video: Testfahrt im Dunkeln

Hinweis:
Dieser Film beinhaltet Filmausschnitte über fiktive, autonome Fahrtechnologien, die heute noch nicht in Serienreife existieren. BMW bietet aktuell noch keine autonom fahrenden Fahrzeuge in der Serienproduktion an. Dieser Film zeigt ein hypothetisches Szenario des autonomen Fahrens in der Zukunft. Bei der Simulation wurde kein Serienfahrzeug eingesetzt und die Fahrt wurde in einem abgesperrten Bereich unter Aufsicht von Experten durchgeführt.

Interview mit Miro Miletic, Ausstellungsleiter „Dialog im Dunkeln“

Miro Miletic, welchen Platz hatte Autofahren in Ihrem Leben vor der Blindheit?

Ich bin jahrelang Auto gefahren. Fahrspaß und Unabhängigkeit standen für mich an erster Stelle. Mit dem Sehverlust im Alter von 27 Jahren war das schlagartig weg. Plötzlich hat man nicht mehr die Möglichkeit, sich ins Auto zu setzen und einfach loszufahren. Und dabei hatte ich doch immer so einen schönen, schicken Sportwagen. Das Fahren hat mir unglaublich viel bedeutet. Es ist wie eine Beziehung zu einem Menschen. Und plötzlich ist alles weg. Das ist ein Verlust, den man psychisch verarbeiten muss.

Glauben Sie denn, dass autonomes Fahren dieses Gefühl zurückbringen kann?

Es wird sicherlich nicht das gleiche Gefühl sein. Man vertraut ja trotzdem einer Technologie. Aber was mir selbstfahrende Autos zurückgeben können, sind Freiheit und Flexibilität. Autonomes Fahren wird mir nicht das Augenlicht wiedergeben, aber die neuen Möglichkeiten werden meine Lebensqualität steigern.    

Mir fällt es leicht, einem autonomen Fahrzeug zu vertrauen – schließlich verlasse ich mich in vielen Lebensbereichen auf intelligente Technologien.
Miro Miletic

Unser Experiment „Testfahrt im Dunkeln“ hat die Fahrt in einem autonomen Auto simuliert. Wie hat sich das für Dich angefühlt?

Es war ein ungewöhnliches Gefühl. Andererseits: Wenn man in einem Zug oder einem Flugzeug sitzt, weiß man, dass diese auch zum Teil per Autopilot gesteuert werden. In den letzten Jahrzenten hat man einfach gelernt, der Technologie zu vertrauen – was ich durch meine Sehbehinderung noch stärker erleben durfte. Ich verlasse mich ja in vielerlei Hinsicht auf die Technologie: sowohl am Arbeitsplatz als auch im Privatleben. Deshalb fällt es mir nicht so schwer, einem autonomen Fahrzeug zu vertrauen: weil ich bisher eine positive Erfahrung mit moderner Technologie gemacht habe.

Erfahren Sie hier mehr über die spannungsgeladene Interaktion zwischen Fahrer und Fahrzeug.

Und was war anders als sonst?

Normalerweise sitze ich als Beifahrer im Auto. Ich kriege viel von dem mit, was um mich herum passiert. Ich weiß aber nie, ob der Mensch am Steuer das auch alles ebenfalls so mitbekommt und ob er die richtigen Entscheidungen trifft. Während ich in dem autonomen Auto saß, verschwand dieses Unwohlsein komplett – weil ich mein Leben nicht einem anderen Menschen anvertrauen musste. Ich weiß, dass die Technologie hier verlässlicher sein wird, allein bei der schnelleren Reaktionsgeschwindigkeit. So konnte ich mich einfach total entspannen. Ich hatte so ein Gefühl: Das Auto wird schon das Richtige tun!

Lesen Sie hier, wie das selbstfahrende Auto lernt.    

Ich kann bereits fast alles durch neue Technologien ersetzen – Mobilität noch nicht.
Miro Miletic

Welchen Mehrwert bietet das autonome Fahren Blinden?

Der größte Mehrwert ist die Erhöhung der Lebensqualität. Ich werde mich selbstständig ins Auto setzen und von A nach B fahren können. Das spart unheimlich viel Zeit. Jetzt muss ich durchgehend die Uhr kontrollieren: Wann fährt die nächste Bahn oder der nächste Bus? Dann muss ich nachforschen, ob das überhaupt der richtige Bus ist – ich muss einen Busfahrer fragen. Dank dem autonomen Auto hätte ich das nicht mehr.    

Und wie stellen Sie sich das Auto der Zukunft vor?

Wenn ich das jetzt optisch beschreiben darf (Miro lacht), ist es ein BMW i8. Vom Komfort her würde es aber genau das bieten, was ich mit dem autonomen BMW i3 erlebt habe. Das wünsche ich mir im Leben. Denn ich kann bereits fast alles durch neue Technologien ersetzen – Mobilität noch nicht. Das Auto der Zukunft macht das wieder gut. Man kann sich einfach reinsetzen und ihm sagen: „Bring mich doch jetzt mal netterweise zum nächsten Supermarkt oder ins Restaurant, Kino oder Theater.“

Lesen Sie hier, wie ein selbstfahrendes Auto seine Umgebung erkennt.    

Was ist „Dialog im Dunkeln“?

Seit 1989 ist „Dialog im Dunkeln“ die Schnittstelle zwischen Nicht-Blinden und der Blindheit. Während der Einarbeitungsphase eines sehbehinderten Kollegen bei einem Job im Rundfunk kam Andreas Heinecke die Idee für die Ausstellung. Er wollte Sehenden Toleranz und Empathie für blinde Mitbürger lehren, indem er sie den Alltag blinder Menschen erleben ließ. Die erste Ausstellung öffnete in Frankfurt ihre Türen. 1997 kam die Ausstellung „Dialog im Stillen“ dazu. Dabei geht es wie bei „Dialog im Dunkeln“ um die Weitergabe von Erfahrungen aus einer anderen Lebenswelt – diesmal die Lebenswelt gehörloser Menschen. Seit 1989 haben mehr als 8 Millionen Menschen in 150 Ausstellungsstädten in 41 Ländern an „Dialog im Dunkeln“ oder „Dialog im Stillen“ teilgenommen. Zurzeit kann man die Ausstellungen an 21 Orten weltweit selbst erleben. Seit 2014 hat das Dialoghaus an einigen Standorten eine weitere Neuerung im Repertoire: „Dialog mit der Zeit“. Dabei handelt es sich um eine Ausstellung über das Altern. Außerdem an vielen Standorten im Angebot: „Dinner in the Dark“. Eine kulinarische Reise in kompletter Dunkelheit – der Alltag eines sehbehinderten Menschen.

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