Lass die Welt zu dir sprechen

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Rapper Nas und Bildhauerin Kennedy Yanko waren die Stars bei der kürzlichen Vorstellung des neuen BMW Concept XM auf der Art Basel in Miami. In New York City haben sie uns von ihrem kreativen Prozess erzählt und wie sie die Welt zu sich sprechen lassen, um immer wieder etwas Neues zu erschaffen.

17. Dezember 2021

Von Queensbridge nach Bushwick

Auf den ersten Blick haben Rapper und Plastiker vielleicht nicht viel gemeinsam. Als künstlerische Disziplinen unterscheiden sie sich stark: Bei der einen geht es um lyrische Freiheit, bei der anderen um die Bearbeitung von Material und Form. Aber es gibt Parallelen, denn historisch gesehen haben sich Kunst und Musik gegenseitig inspiriert. Der Schaffensprozess, die Rolle der Kunst als solche und die Erkenntnisse, die man durch die Arbeit gewinnt – das gehört zum Leben eines jeden Künstlers, unabhängig vom jeweiligen Medium.

Rapper Nas und Künstlerin Kennedy Yanko haben noch etwas gemeinsam. Beide sind in New York zu Hause, obwohl der Rapper erst kürzlich nach Los Angeles gezogen ist. Wir treffen die zwei in Brooklyn, wo die beiden Stars zusammenkommen, um mehr über die Arbeit des anderen zu erfahren und in einem violetten BMW M3 Competition „die Stadt, die niemals schläft“, zu erkunden.

Der kleine Ausflug ermöglicht uns einen seltenen Blick hinter die Kulissen zweier unglaublich erfolgreicher zeitgenössischer Künstler, beginnend in Yankos Atelier, dann weiter zu Nas‘ Heimat im Bezirk Queensbridge, bevor wir im Sweet Chick landen, einem Restaurant, dessen Mitinhaber der Rap-Star ist.

Erfolg hat viele Gesichter

Nas, der gebürtig Nasir bin Olu Dara Jones heißt, begann seine Karriere in Queensbridge in den frühen 1990er-Jahren und etablierte sich schnell als kreativer und überaus begabter Songschreiber. Dies waren die frühen Jahre vor dem goldenen Zeitalter des East Coast Rap in den späten 1990er-Jahren, einer Ära, in der Nas zahlreiche Bestseller-Singles und -Alben herausbrachte.

Sein 1994 erschienenes Debütalbum „Illmatic“ gilt heute als einer der großen Klassiker des Rap, das längst in die Riege der modernen Meisterwerke aufgenommen wurde und ein Muss für jeden engagierten Sammler ist. Dasselbe trifft auf mehrere seiner Hits wie „It was written“, „I am...“, „Nastradamus“, „God‘s Son“ und „Stillmatic“ zu, um nur einige zu nennen. Sie können jeden fragen, der eine Vorliebe für Beats und Rhythmus hat, um zu wissen: Es ist keine Übertreibung, wenn man Nas als einen der größten Rapper aller Zeiten bezeichnet. Einen wahren Meister seiner Disziplin, mit einem einzigartigen Talent für ständige Neuerfindung und kreatives Storytelling, was seinen Namen für Fans weltweit unsterblich gemacht hat.

Kennedy Yanko wurde in St. Louis, Missouri geboren, lebt und arbeitet heute jedoch in Bushwick, Brooklyn. Sie hat sich als eine der talentiertesten Plastikerinnen und Installationskünstlerinnen ihrer Generation einen Namen gemacht.

Yankos Arbeit besteht hauptsächlich aus Metall- und Farbkunstwerken, die aus Altmetall, Marmor, Glas und einer großen Menge Farbe hergestellt werden, die sie trocknen lässt und dann formt. Yanko beschreibt ihren Prozess als „Dialog und Neudefinition“, in dem sie versucht, die physikalischen Eigenschaften des Materials zu verstehen, um es von seiner vorherigen Form zu lösen und neue Wahrnehmungen und daraus folgend neue Ausdrucksmöglichkeiten zu schaffen.

Yanko gab 2019 ihr Debüt mit drei Einzelausstellungen, „Highly Worked“ (New York), „Hannah“ (Chicago) und „Before Words“ (Grand Rapids), was ihr 2020 zwei weitere Einzelausstellungen bescherte: „Because it‘s in my blood“ (Mailand) und „Salient Queens“ (Los Angeles). 2021 eröffnete sie zwei weitere Einzelausstellungen, „Postcapitalist Desire“ und „Three Generations“ (beide New York), und wurde zur Residenzkünstlerin des Rubell Museums, was eine große Ehre für sie ist. Während dieser Zeit schuf sie ihre bisher größten Werke, die jetzt im Museum installiert sind und vor Kurzem der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Der Titel ihrer Ausstellung lautet „White, Passing“.

Ihre Arbeiten befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen und werden in Institutionen wie der University of Southern Florida und in privaten Museen wie The Bunker Artspace in West Palm Beach in Miami und dem Espacio Tacuari in Buenos Aires ausgestellt (➜ Lesen Sie auch: So wird man Kunst-Sammler).

Gemeinsame Basis

Was passiert also, wenn sich zwei kreative Köpfe treffen, um eine gemeinsame Basis zu finden? Am Anfang steht die Erkenntnis, dass Kreativität nicht in Schubladen oder Kategorien gesteckt werden kann.

„Bei der Rap-Musik geht es darum, Dingen durch Sprache Ausdruck zu verleihen“, antwortet Nas auf die Frage nach seiner Vorgehensweise, wie und warum seine Texte ihre jeweilige Form annehmen. „Von den Gedanken bis zum Blatt bis zur Aufnahme. Das ist wirklich eine großartige Erfahrung, weil man sieht, dass Worte Macht haben. Und das kann wirklich jeder. Jeder kann diese Art von Kreativität finden und selbst die kleinsten Dinge können eine Inspiration sein. Es geht nur darum, sie zu nutzen.“

„Ja, ich denke in meiner Arbeit viel darüber nach“, fügt Yanko hinzu, „die Umwandlung von Gedanken in etwas Reales; genau das passiert, wenn ich an meinen Plastiken arbeite. Da ist etwas Energetisches und Beflügelndes.“

Von den Gedanken bis zum Blatt bis zur Aufnahme. Das ist wirklich eine großartige Erfahrung, weil man sieht, dass Worte Macht haben.
Nas

Was steckt in dir

Die Umsetzung der Gedanken in die Realität ist jedoch leichter gesagt als getan. Jeder Künstler weiß, dass Inspiration und Momente der Klarheit nicht organisiert, geplant oder kontrolliert werden können (➜ Lesen Sie auch: Jeff Koons: die Bedeutung von allem). Die beiden Künstler sind sich schnell einig, dass es manchmal sogar besser ist, es nicht zu wissen. 

Dies gilt insbesondere für Yanko. Ein Teil ihres kreativen Prozesses besteht darin, einen „formalen Dialog“ mit ihren Materialien – oft Schrott, den sie außerhalb der Stadt aufgesammelt hat – einzugehen, um ihre Eigenschaften und ihre gegenwärtige Form vollständig zu verstehen. Erst dann weiß sie, wie sie die Materialien bearbeiten muss, und beginnt mit den ersten behutsamen Schritten in Richtung Schöpfungsprozess.

„Ich lasse mich auf dieses ‚Ding‘ ein“, beschreibt sie den Prozess. „Bevor ich es nicht physisch vor mir habe, kann ich nur eine begrenzte Vorstellung davon haben, wie ich mich darauf einlassen werde.“

„Manchmal kann ich ohne irgendeinen Plan ins Studio gehen und komme mit den besten Sachen heraus, die ich seit Jahren gemacht habe“, stimmt Nas ergänzend zu. „Ich mag es, keinen Plan zu haben. Manchmal fällt dir genau dann etwas ein, das völlig unerwartet ist. Und es ist so lohnend zu erkennen, dass man das die ganze Zeit in sich getragen hat. Geh einfach da rein und lass den Raum zu dir sprechen.“

Ich lasse mich auf dieses ‚Ding‘ ein.
Kennedy Yanko

Man kann nicht immer alles sehen

Oft ist man einsam bei dieser Aufgabe. Es ist eine Last, die brillante Künstler allein tragen müssen. Aber da die Kunst-, Mode-, Designwelt und alles darum herum immer öfter nach (übergreifenden) Kollaborationen und kreativen Denkprozessen aus anderen Bereichen streben, entstehen so neue Möglichkeiten, um neue Perspektiven zu erschließen (➜ Lesen Sie auch: Weiterarbeiten und niemals nachlassen).

Das ist für Nas jedoch nichts Neues. Rap hat eine lange und gut dokumentierte Geschichte dieses gemeinsamen Schaffensprozesses. Rap-Künstler veröffentlichen selten Alben, ohne dass Gast-Rapper oder -Sänger in ausgewählten Tracks mitwirken. Laut Nas macht er nicht die ganze Musik selbst.

„Es ist immer ein gemeinsames Werk, weil ich mit Produzenten zusammenarbeite. Sie wollen mich vielleicht mit einem anderen Künstler hören, worüber ich zuvor vielleicht noch nie nachgedacht hatte. Wenn also ein Produzent von dieser Idee überzeugt ist, stellen wir etwas zusammen, was ich mir im Voraus nie hätte vorstellen können. Ich liebe es, wenn es sich so zusammenfügt.“ Für Yanko sieht es dagegen etwas anders aus. Dass die künstlerische Arbeit einsam machen kann, weiß die junge Künstlerin sehr genau. „Alleinsein ist ein Thema“, sagt sie. „Aber als ich mit der bildenden Kunst begann und nach Materialien suchte, zog es mich in eine Welt hinein, die mir die Augen geöffnet hat. Ich habe etwas in mir gefunden, das [von anderen] unterstützt werden konnte. Das hat wirklich eine Menge für mich verändert.“

Als ich mit der bildenden Kunst begann und nach Materialien suchte, zog es mich in eine Welt hinein, die mir die Augen geöffnet hat.
Kennedy Yanko

Etwas gemeinsam erschaffen

Genau diese Art von Veränderung kann die Weichen komplett neu stellen für jeden, der auf den Durchbruch hofft, und ihn ganz nach oben an die Spitze katapultieren. Aber woher genau weiß man, wo man Inspiration suchen kann oder welche Impulse einen weiterbringen und welche nicht? (➜ Lesen Sie auch: Jeff Koons und die Kunst des Führens).

„Ich denke, es ist wichtig, dass man, wenn man mit jemandem zusammenarbeitet, ein gemeinsames Interesse daran hat, was dabei herauskommen könnte“, sagt Nas. „Manchmal sieht man, wie Leute etwas produzieren, das interessant sein könnte, aber eben nicht für dich.“

„Letztendlich geht es darum, einen Beitrag zu leisten“, fügt Yanko hinzu. „Wenn wir gemeinsam etwas produzieren, schaffen wir eine gemeinsame Erfahrung und unseren gemeinsamen Beitrag. Wenn wir also darüber nachdenken, mit wem wir zusammenarbeiten und -wirken, geht es vor allem um Harmonie und dass man sich dabei wohlfühlt.“

CO2-Emission 234 - 228 g/km (kombiniert)
Kraftstoffverbrauch 10,2 - 10,00 l/100 km (kombiniert)
Ich bin immer gespannt, was als Nächstes kommt.
Nas
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Immer gespannt, was als Nächstes kommt

Sowohl Nas als auch Yanko haben viele Gründe, sich wohlzufühlen, unabhängig davon, mit wem sie zusammenarbeiten möchten oder nicht.

Im Laufe von fast drei Jahrzehnten hat Nas inzwischen buchstäblich alles gemacht. Er hat bereits mehrere Auszeichnungen erhalten, zuletzt wurde er im März 2021 nach unglaublichen 14 Nominierungen während seiner gesamten Karriere mit einem Grammy ausgezeichnet. Hinzu kommen Millionen und Abermillionen von Plattenverkäufen und Downloads und eine erfolgreiche Karriere als Unternehmer, Philanthrop und Mentor. Für Yanko geht die Party jetzt erst richtig los. Die Werke der Künstlerin sind sehr gefragt, da sie in der internationalen Kunstszene von sich reden macht. Zuletzt war eine ihrer Plastiken das Objekt mit den meisten Geboten bei einer Live-Auktion von Sotheby’s bei der Andy Warhol Museum Gala in New York.

Wie schaffen es die beiden, ihr Feuer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung aufrechtzuerhalten? Was bringt sie voran auf der Suche nach dem nächsten Geistesblitz oder der kleinen Änderung im Prozess, die das nächste Werk hervorbringen wird?

Für Nas liegt das auf der Hand. Etwas so Einfaches wie die gute alte Neugier scheint die Lösung zu sein.

„Ich bin immer gespannt, was als Nächstes passiert“, sagt er. „Es dreht sich alles um die Vorfreude, zu sehen, was danach kommt. Ich freue mich immer auf das nächste Projekt.“

Für Yanko wiederum scheint der Schlüssel darin zu liegen, zu überraschen, wahrscheinlich am meisten sich selbst. „Was mich immer fasziniert, ist, dass es funktioniert“, sagt sie.

„Ich kann nicht glauben, dass das, [was ich kreiere], am Ende genauso aussieht und sich anfühlt, wie ich es mir vorgestellt habe. So etwas erschaffen zu können, ist eine der befriedigendsten Erfahrungen überhaupt.“

 

Nas und Kennedy Yanko waren als Ehrengäste und Performer bei der Vorstellung des neuen BMW Concept XM auf der jüngsten Art Basel Show in Miami geladen.

Sehen Sie sich unten das Video der beiden Stars im Gespräch in New York City an

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Autor: David Barnwell; Fotos: Nate Shuler; Video: BMW

THE CONCEPT XM

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