11 Frauen, die die Automobilwelt maßgeblich geprägt haben

8 min Lesedauer
Frauen und Autos: Ob durch Erfindungen, technische Innovationen, Führungskraft, Mut oder beeindruckende Erfolge hinter dem Steuer – wir stellen elf weibliche Vorbilder vor, die die Faszination Autofahren maßgeblich beeinflusst haben.

8. März 2021

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Frauen und Autos: Weibliche Pioniere hatten in der Geschichte des Automobils einen maßgeblichen Anteil am Erfolg und am Fortschritt der Entwicklung bis zum Fahrspaß der heutigen Zeit. Technische Errungenschaften wie Scheibenwischer, Fahrzeugheizung oder Kevlarfasern, Pionierfahrten mit den ersten Motorwagen um 1900, die erste Weltumrundung mit einem Auto 1929 oder das Durchsetzen als Transgender im Motorsport und eine damit verbundene Vorbildrolle – all diese Leistungen sind eng verknüpft mit den Biografien erstaunlicher Frauen aus aller Welt. Hier sind elf beeindruckende Charaktere, die Automobilgeschichte und Rennsport maßgeblich geprägt haben.

1. Wilhelmine Erhardt

Frauen und Autos haben in der Geschichte des Automobils eine lange Beziehung. Doch was heute selbstverständlich ist, war zu Beginn des automobilen Zeitalters eine Ausnahmeerscheinung. Die aufkommenden Motorwagen galten als Männerdomäne. Als im Frühjahr 1899 die Fahrzeugfabrik Eisenach die erste große Ausfahrt mit allen bisher erzeugten Motorwagen startete, lenkte einen der vier Wartburg-Motorwagen bereits Wilhelmine Ehrhardt, die Ehefrau des Eisenacher Fabrikdirektors – die die erstaunten Gesichter der Passanten genoss, wie Matthias Doht, Geschäftsführer Stiftung Automobile Welt Eisenach und Experte für die erste Automobilistin Deutschlands, verrät. Wilhelmine (23. August 1866 – 23. Februar 1945) war sehr selbstbewusst, ihre Automobilbegeisterung nur schwer zu bremsen. Als Gustav Ehrhardt sich mit einem neu entwickelten Wartburg-Rennwagen am 23. Juli 1899 zur ersten grenzüberschreitenden Fernfahrt von Innsbruck nach München angemeldet hatte, begleitete ihn seine Frau. Die Fahrtroute von Innsbruck durch das Inntal über Kufstein und Rosenheim nach München war sehr anspruchsvoll, aber für Wilhelmine eine willkommene Herausforderung. 

Auf die Erfüllung ihres Traumes, als Selbstfahrerin bei einem Motorsportwettbewerb zu starten, sollte Wilhelmine Ehrhardt noch fast ein Jahr warten. Doch die Geduld zahlte sich aus. Am 3. August 1901 schrieb Wilhelmine Ehrhardt dann mit ihrer Teilnahme an der Automobil-Gebirgsfernfahrt Eisenach – Meiningen – Eisenach Motorsportgeschichte. Trotz unterlegener Motorisierung verfehlte sie das Podium dabei nur knapp.

2. Stephanie Kwolek

Am 22. November 1968 ging beim Deutschen Patentamt die Patentanmeldung DE 1810 426 mit der Bezeichnung „Masse und aus ihr hergestellte Fasern oder Fäden“ ein. Was dort konkret beschrieben wird, ist eine Superfaser, die noch heute zum Beispiel im Automobilbau, der Raumfahrt und auch in schusssicheren Westen eingesetzt wird. „Mutter der Erfindung“ ist die Chemikerin Stephanie Kwolek (31. Juli 1923 – 18. Juni 2014). Um sich ein Medizinstudium zu finanzieren, nahm sie eine Forschungsstelle im Textilfaserlabor von DuPont in Buffalo, New York, an. Anfang der 60er-Jahre arbeitete sie dort in der Versuchsstation des Unternehmens an einer Faser zur Verstärkung von Radialreifen. Die Arbeit bestand darin, Stränge von Molekülen auf Kohlenstoffbasis zu manipulieren, um größere Moleküle (Polymere) herzustellen. 1964 hatte Kwolek eines Tages Schwierigkeiten, ein festes Polymer in flüssige Form umzuwandeln. Anstelle der von ihr erwarteten klaren, sirupartigen Mischung war die Flüssigkeit dünn und undurchsichtig. Sie überredete einen anderen Wissenschaftler, die Flüssigkeit in der Labordüse zu „spinnen“, einer Maschine, mit der flüssige Lösungsmittel entfernt und Fasern zurückgelassen werden. Und so entdeckte sie durch einen „glücklichen Zufall“, wie sie es selbst später ausdrückte, ein Material, das sich als fünfmal so stark wie Stahl bei gleichem Gewicht und Feuerbeständigkeit erwies. 

Kevlar-Fasern kombinieren Flamm- und Temperaturbeständigkeit, Festigkeit, Steifigkeit und weitere Eigenschaften, die dazu beitragen können, noch bessere Filter, Riemen, Dichtungen und andere Bauteile für die Automobilindustrie herzustellen – wie etwa Reifen. Beim Einsatz in Abdecklagen oder im Zwischenbau gewährleisten Kevlar-Fasern die für hochleistungsfähige Reifen ausschlaggebende außerordentlich hohe Dimensionsstabilität, auch bei hohen Temperaturen und Geschwindigkeiten. Weitere Vorteile sind die Verringerung der Fahrgeräusche sowie ein reduziertes Rotationsgewicht, was zu einer Reduzierung der Motorbelastung führt. Es sind Erfindungen von Frauen wie Stephanie Kwolek, die einen Grundstein für die Entwicklung der Automobilindustrie gelegt haben.

3. Clärenore Stinnes

Auch sie ist eine der großen Damen der Autogeschichte – Clärenore Stinnes (21. Januar 1901 – 7. September 1990). Stinnes war eine Tochter aus gutem Hause. Schon immer vertrat sie den Standpunkt, dass Frauen das Gleiche leisten können wie Männer: „Wir sind nicht besser, aber mindestens genauso gut“, sagte sie einst in einem Interview. Dass man sie rund um den Globus kennt, dafür hat die couragierte Draufgängerin selbst mit Frauenpower tatkräftig gesorgt. Im Alter von 26 Jahren begab sich Clärenore Stinnes auf ihr größtes Abenteuer: Als Erste fuhr sie in einem Auto um die Welt. 25 Monate dauerte die Tour de Force im Adler Standard 6 mit 35 PS durch Eis und Hitze, Schlamm und Geröll, oft gab es weder Straßen noch Karten, Tankstellen oder Werkstätten. Dass sie die lebensgefährliche Expedition meisterte, lag an der Starrköpfigkeit einer Frau, für die Umkehren keine Option war. 

46.758 Fahrtkilometer zeigt der Tacho an, als Stinnes am 24. Juni 1929 zusammen mit ihrem Begleiter, Kameramann Carl-Axel Söderström, in Berlin einrollt. Als Erste, die das Wagnis eingegangen und per Auto um die Erde gefahren sind – durch 23 Länder. Von Frankfurt aus gen Osten: durch den Balkan über den Kaukasus nach Sibirien, durch die Wüste Gobi nach China und Japan, über die Anden, durch die USA. Und schließlich per Schiff zurück nach Europa.

4. Mary Anderson

Die nächste Persönlichkeit in der Reihe weiblicher Vorbilder der Automobilgeschichte verdankte ihre Erfindung ihrer Beobachtungsgabe.
Während sie in den Straßen von New York unterwegs war, bemerkte Mary Anderson, dass die Autofahrer bei schlechtem Wetter Probleme bekamen. Bei Regen und Schnee mussten sie ständig aussteigen und ihre Frontscheibe abwischen. Für die junge Frau stand fest: Ein mechanisches Wischblatt musste her. Zeitgleich mit Robert Douglass und John Apjohn meldete Mary Anderson das Patent auf ihre Erfindung an. Zugesprochen wurde es ihr, da nur ihre Vorrichtung wirklich funktionierte. Am 10. November 1903 erteilt das Patentamt Mary Anderson das US-Patent Nr. 743,801 für ihre „Fensterreinigungsvorrichtung für Autos und andere Fahrzeuge zur Entfernung von Schnee, Eis oder Graupel von der Scheibe“. Ihre Vorrichtung verfügte über einen in Lenkradhöhe angebrachten Hebel, der vom Fahrer per Hand betätigt werden konnte. Wurde der Hebel bedient, setzte sich ein gefederter Schwingarm mit einem Gummiband in Bewegung und kehrte danach wieder in seine Ausgangsposition zurück. 

Als sie ihr Patent erhielt, versuchte Anderson, es an eine kanadische Herstellerfirma zu verkaufen, aber die Firma lehnte ab: Das Gerät hätte keinen praktischen Nutzen. Obwohl mechanische Scheibenwischer um 1913 zur Standardausrüstung von Pkws gehörten, profitierte Mary Anderson nie von ihrer Idee. Dennoch war es eine dieser Erfindungen von Frauen, mit denen der Grundstein für den heutigen Fortschritt im Automobilbau gelegt wurde – und Andersons Ingenieursleistung von damals hilft noch heute jedem Autofahrer, bei jeder Witterung ein freies Sichtfeld für eine sichere Fahrt zu haben.

5. Bertha Benz

Unter Frauen in der Geschichte des Automobils gilt Bertha Benz (3. Mai 1849 – 5. Mai 1944) als Pionierin. Nicht etwa Carl Benz, sondern seine Frau Bertha sorgte für den Erfolg des Automobils – absolvierte doch nicht er, sondern Bertha im August 1888 die erste erfolgreiche Überlandfahrt mit einem Wagen. Damals an Bord: ihre Söhne und eine sehr große Portion Courage und Selbstbewusstsein. Rückblick: 1886 hatte der Karlsruher Carl Benz in Mannheim das Automobil erfunden, unter der Nummer 37435 wurde das Fahrzeug zum Patent angemeldet. Die Resonanz fiel jedoch nicht so euphorisch aus wie erwartet. Der Wagen ohne Pferde erntete vielmehr Misstrauen. Guter Rat war teuer. Doch dann ergriff Bertha Benz die Initiative, setzte sich kurzerhand ans Steuer und machte sich mit dem Gefährt von Mannheim aus auf nach Pforzheim. 

Ein couragiertes Unterfangen, war die Fahrt auf der 106 Kilometer langen Strecke ihrerzeit doch ein echtes Abenteuer. Es gab nur eine Handvoll befestigter Straßen, meist musste sie das Auto über unebene Feldwege steuern. Da es auch keine Verkehrsschilder gab, halfen Eisenbahnschienen bei der Orientierung – für notwendige Reparaturen wurde mangels Ausrüstung dann auch schon mal auf Hutnadel und Strumpfband zurückgegriffen. Am Ende gelang das Husarenstück mit einer Weiterentwicklung des Patent-Motorwagens und Bertha Benz machte so erfolgreich Werbung für das Gefährt ihres Mannes. Der Siegeszug des Automobils konnte starten.

6. Margaret Wilcox

Dass bereits die ersten Automobile zur Komfortzone wurden, geht auf die kreative Entwicklung einer Amerikanerin zurück: Margaret A. Wilcox, geboren 1838 in Chicago, gilt als Erfinderin der Autoheizung. Wilcox zählt zu den ersten weiblichen Maschinenbau-Ingenieuren und erhielt zahlreiche US-Patente für ihre Erfindungen.

Im Herbst 1893 meldete sie ihre Erfindung einer Autoheizung zum Patent an, das am 28. November 1893 eingetragen wurde. Ihr System bestand aus einer Brennkammer unter dem Auto und einem Rohrsystem, durch das das erhitzte Wasser unter den Fahrgastraum geleitet wurde. Diese für die Automobilindustrie wichtige Erfindung schlug zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie erleichterte das Fahren bei nebligem und kühlem Wetter, indem sie einerseits die Scheiben beschlagfrei und andererseits den Innenraum des Autos auf der gewünschten Temperatur hielt – was das Fahrerlebnis entsprechend angenehmer und sicherer machte.

7. Danica Patrick

Wie schnell und erfolgreich Frauen und Autos in die Spur gehen können. Hat Danica Patrick eindrucksvoll bewiesen. Die amerikanische Rennfahrerin gehört zu den erfolgreichsten Frauen im NASCAR- und IndyCar-Motorsport. Zwischen 2005 und 2018 war sie in beiden Serien aktiv. Ihr erstes IndyCar-Rennen bestritt Danica Patrick am Homestead-Miami Speedway. Im Jahr 2008 feierte sie ihren ersten und einzigen IndyCar-Sieg im japanischen Motegi. Eine Ausnahmeleistung. Als bestes Gesamtergebnis war der neunte Platz im Jahr 2009 zu verbuchen – in dieser Saison schnappte sich die Rennfahrerin außerdem den dritten Platz beim Indy 500 und den achten Rang bei den 24h von Daytona. Insgesamt bestritt Danica Patrick in acht Jahren 116 Rennen in der amerikanischen Formel-Serie. Dabei sicherte sie sich sieben Podien und drei Pole-Positions.

Bis 2011 fuhr Patrick zwar weiter in der IndyCar-Serie, wagte sich jedoch parallel an das NASCAR-Programm. Nach zwei Teilzeit-Jahren in der Xfinity-Serie fuhr Patrick im Jahr 2012 ihre erste Vollzeit-Saison in der zweiten amerikanischen Stockcar-Liga, bevor es ab 2013 im NASCAR-Cup an den Start ging. In sieben Jahren bestritt Patrick ganze 191 Rennen. Für einen Platz ganz oben auf dem Podium reichte es leider nie, dennoch konnte sich Danica Patrick sieben Platzierungen unter den Top 10 ergattern. Als erste Frau sicherte sie sich im Jahr 2013 außerdem die Pole-Position beim Daytona 500. Eine Vorbildrolle nimmt sie aber ebenfalls ein, weil sie 2018 den Mut zeigte, von sich aus zum richtigen Zeitpunkt aufzuhören.

8. Suzanne Vanderbilt

Mitte der 1950er-ahre startete General Motors das Kapitel der berühmten „Damsels of Design“, einer Gruppe von zehn Frauen, die der Autohersteller an Bord holte, um die neuen, weiblichen Konsumenten besser zu erreichen. Leider war Amerikas erstes reines Frauen-Designteam nur von kurzer Dauer. Die meisten der Designerinnen verließen es Anfang der 60er-Jahre, nachdem ihre Abteilung von Bill Mitchell übernommen wurde, der angeblich sagte: „Keine Frau wird neben einem meiner Senior-Designer stehen.“ Trotz dieser Äußerung und der zu dieser Zeit männerdominierten Branche der Automobilindustrie blieb eine der ursprünglichen „Damsels“, Suzanne Vanderbilt, und arbeitete sich hartnäckig die Karriereleiter hinauf, bis sie schließlich 1972 den Titel der Chefdesignerin von Chevrolets Interior Studio erhielt. Suzanne Vanderbilt arbeitete als Führungskraft an Kleinwagen wie dem Nova, dem Camaro und der Chevette. Leider zwang eine Krankheit sie auf dem Höhepunkt ihrer Designerkarriere dazu, ihre Arbeit einzuschränken und schließlich 1977 bei GM in den Vorruhestand zu gehen. Sie verstarb elf Jahre später im Alter von fünfundfünfzig Jahren. Was sie motivierte, in einem so anspruchsvollen Bereich zu bleiben? „Was einen Designer weitermachen lässt, ist, dass man nie zufrieden ist, man sucht ständig nach Perfektion, nach neuen und kreativen Antworten.“

9. Charlie Martin

Überholmanöver im Motorsport: Beim 24-Stunden-Rennen auf dem legendären Nürburgring im September 2020 hat Charlie Martin Geschichte geschrieben. Mit ihrem BMW M240i Racing fuhr sie auf der Nordschleife in ihrer Klasse auf den vierten Rang. Doch die Platzierung ist für die 39-jährige Rennfahrerin Nebensache, denn Charlie Martin fährt für ein größeres Ziel. Sich in dem männerdominierten Sport als Frau zu beweisen, ist ihr Antrieb. Ein ganz besonderer allerdings – denn geboren wurde Charlie Martin 1981 im englischen Leicester als Junge. 

Als erste Transgender-Rennfahrerin, die diesen Motorsport-Klassiker absolvierte, hat sich die couragierte Pilotin nicht nur einen Traum erfüllt, sondern auch eine Vorbildrolle eingenommen. Eine schwierige Entscheidung zu treffen und dem eingeschlagenen Kurs treu zu bleiben, erfordert Mut. Diesen Mut möchte sie weitergeben, für mehr Diversität und Wandel im Motorsport werben und damit weiteren Frauen den Weg in den Rennsport ebnen: „Wenn wir Botschafter für den Sport haben, die sich für ihre Werte leidenschaftlich einsetzen und das Gefühl vermitteln, dass wir alle in unserem eigenen Leben aktiv werden sollten, dann können wir einen starken Wandel der Gesellschaft bewirken.“ (➜ Lesen Sie hier die ganze Reportage über Charlie Martin am Nürburgring und hören Sie die Rennfahrerin im BMW Podcast Changing Lanes)

10. Lella Lombardi

Die prägende Beziehung zwischen Frauen und Autos erreichte auch die Königsklasse des Motorsports. In der Statistik der Formel 1 ist Lella Lombardi (26. März 1941 – 03. März 1992) die einzige Frau in den WM-Punkten. Dabei kam die Tochter eines Metzgers aus dem Piemont erst über Umwege zum Rennsport. Als sie nach einer schweren Verletzung beim Handball mit dem Krankenwagen abtransportiert wurde, habe sie dessen Geschwindigkeit so fasziniert, dass ihr der Gedanke kam, statt Hallensport doch Autorennen auszuprobieren. Lella Lombardi fuhr von 1974 bis 1976 zwölf WM-Rennen, siebenmal kam sie ins Ziel. Ihr Formel-1-Debüt feierte sie 1974 in Brands Hatch für das Team Allied Polymer Group, ohne sich jedoch für das Rennen qualifizieren zu können. Erst 1975 startete sie erstmals bei einem Formel-1-Rennen, dem Großen Preis von Südafrika, für das Team March. 

Am 27. April 1975 belegte die damals 34-Jährige beim Großen Preis von Spanien in Barcelona Platz sechs und bekam dafür als bisher einzige Frau einen halben WM-Punkt. Einen halben Punkt deshalb, weil das Rennen auf dem engen Stadtkurs am Montjuic nach einem folgenschweren Unfall des bei Halbzeit führenden Kölners Rolf Stommelen vorzeitig beendet wurde. Außer ihrem halben WM-Punkt hält Lella Lombardi übrigens den Rekord für die höchste Startnummer in der Formel-1-Geschichte. Die „208“ auf ihrem Auto 1974 in Brands Hatch war ein Hinweis auf ihren Sponsor Radio Luxemburg, der damals auf 208 mHz sendete. Diesen Rekord der zurückhaltenden und doch ehrgeizigen Italienerin, die wenige Tage vor ihrem 51. Geburtstag im März 1992 an Brustkrebs starb, wird Bestand haben, denn mittlerweile sind Startnummern in der Formel 1 nur noch bis zur „99“ erlaubt.

11. Jutta Kleinschmidt

Klischees über Frauen und Autos kann man getrost in die Wüste schicken – Jutta Kleinschmidt ist genau dorthin gegangen und hat sich hinter dem Steuer eines Rally-Fahrzeugs in die Geschichtsbücher gefahren. 1988 absolvierte sie ihre erste Rallye Paris-Dakar noch mit dem Motorrad, 2001 gewann sie als erste Frau und auch als erste Deutsche die härteste Wüsten-Rallye der Welt. 10.000 Kilometer – 159 Sekunden Vorsprung: Die schnelle Bayerin ist mit einem Mitsubishi Pajero der Konkurrenz enteilt. Danach nahm Jutta Kleinschmidt mehrmals im VW an der herausfordernden Wüstendurchquerung teil, bevor die Rennfahrerin 2007 mit einem BMW X3 CC für das Team X-Raid BMW bei der Rallye Dakar an den Start ging. 

Mit Mut und technischem Verstand drückte sie dem Wettbewerb fast 20 Jahre lang immer wieder ihren Stempel auf. Als Gaststarterin bei Straßenrennen und als Instruktorin ist die passionierte Helikopter-Pilotin auch heute noch dem Motorsport treu. Zusätzlich hält Jutta Kleinschmidt als Motivationstrainerin Vorträge und Seminare für Firmen. Eine Powerfrau als Vorbild, unabhängig vom Terrain.

Autor: Markus Löblein; Illustrationen: Oriana Fenwick