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Kunst aus dem Computer: Faszination KI-Design

7 min Lesedauer
Die Kreativität gilt als eine der letzten Bastionen des menschlichen Gehirns. Doch nun erobert künstliche Intelligenz auch die Welt von Kunst und Design. Lesen Sie mehr über die kreativen Potenziale von KI – und wie Auto-Designer damit arbeiten.

„Computer malt Rembrandt-Gemälde.“ „Musikkompositionen auf Knopfdruck.“ „Macht künstliche Intelligenz die Designer bald überflüssig?“

Nein, das ist keine Zukunftsmusik – das sind reale Schlagzeilen über digitale Kunst aus den vergangenen Jahren.

In den Niederlanden haben Kunstexperten 346 Rembrandt-Gemälde mit 3D-Scans digitalisiert. Dann speisten sie die Daten in einen „Deep-Learning“-Algorithmus und stellten diesem lernfähigen Computerprogramm eine Aufgabe: Die künstliche Intelligenz (KI) sollte ein Bild erschaffen, das einen „weißen, mittelalten Mann mit Gesichtsbehaarung“ zeigt, der „schwarze Kleidung, eine weiße Haarkrause und einen Hut“ trägt.

Das Ergebnis (siehe rechts) bestand aus 148 Millionen Pixeln und 150 Gigabyte an Daten und wurde von einem 3D-Drucker ausgeworfen. Das digitale Kunst-Bild war so „echt“, dass Experten es für ein Original von Rembrandt hielten.

Digitale Kunst zum Hören

Auch als Komponist hatte die künstliche Intelligenz schon Premiere: KI-gestützte Software produziert digitale Klassik auf Knopfdruck oder auch die Hintergrundmusik für Computerspiele wie Pixelfield (siehe auch rechts). Das Magazin „Wired“ bejubelte Anfang 2018 „das erste KI-Musikalbum, das überzeugt“ – das Album Hello World des französischen Künstlers SKYGGE.

Das menschliche Gehirn ist also nicht länger der einzige Ort, an dem schöpferische Prozesse ablaufen. Fraglich bleibt, ob man diese digitale Kunst schon als Kreativität bezeichnen kann. Letztlich ist der KI-Rembrandt ein digitaler Remix existierender Gemälde des Altmeisters und kein neues Bild mit einer eigenen Handschrift.

Es wäre jedoch ein Fehler, das künftige Potenzial von KI mit dem zu verwechseln, was sie heute schon beherrscht. Nur weil digital komponierte Musik noch seelenlos klingt, heißt das nicht, dass dies in zehn Jahren noch genauso sein muss.

KI-Design wird es den Kreativen erlauben, sich auf ihre genuinen Aufgaben zu konzentrieren.
Apple-Chef Tim Cook

KI und die Rolle der Designer

Ob Stühle (links oben: SPADE Studio - Marco Hemmerling, Ulrich Nether, Philipp Meise) oder Skateboard-Achsen (unten): Generatives Design und 3D-Druck verändern die Arbeit von Designern und Ingenieuren. Auffällig sind die organischen Formen – als wären die Objekte gewachsen.

Sicher ist: KI wird Abläufe in Kunst und Design verändern, vielleicht sogar revolutionieren. Und: Wenn der Algorithmus entwirft, komponiert und textet, verändert das die Rolle kreativer Berufe.

Der Berliner Designer Andreas Läufer nimmt seinen Kollegen die Angst vor KI-Design: „Warum freuen wir uns nicht über die Zeit, die wir dank Programmen wie der 3D-Software Dreamcatcher gewinnen?“, fragt er im Interview mit t3n. „Macht es am Ende nicht viel mehr Spaß, Konzepte zu entwickeln, die Emotionen auslösen, statt 50 Schriftarten durchzuprobieren?“ Ähnlich sieht das auch Apple-Chef Tim Cook: KI-Design werde es Kreativen erlauben, sich auf ihre genuinen Aufgaben zu konzentrieren.

Algorithmus im Höhenflug

Bei der Airbus-Trennwand hat der Algorithmus die Struktur eines einzelligen Organismus nachgeahmt. Sie verbindet mehrere Punkte auf eine äußerst effiziente, materialsparende Weise.

Vor allem im Produktdesign ist die KI längst angekommen. Es gibt Möbel, Fahrräder oder auch Drohnen aus Computer-Hand. Das Zauberwort heißt „Generatives Design“ oder „Generative Gestaltung“. Dabei nutzen Designer und Ingenieure den Computer nicht mehr nur als passive Maschine. Stattdessen entwickeln sie mithilfe von KI-Algorithmen und Cloud-Computing in kürzester Zeit Designlösungen mit schier endlos vielen Alternativen.

Der Flugzeughersteller Airbus etwa verwendete generatives KI-Design, um eine Kabinen-Trennwand für die A320-Flotte zu gestalten. Die Entwickler gaben zunächst die technischen Vorgaben wie Größe und Belastbarkeit vor. Dann entwickelten sie Design-Optionen mithilfe einer intelligenten Software. Das generative System testete Tausende Varianten und Konfigurationen, was manuell erheblich zeitintensiver gewesen wäre. Dabei lernte der Algorithmus bei jedem Durchlauf hinzu, was funktioniert und was nicht. Letztlich kam eine Trennwand dabei heraus, die um 45 Prozent leichter als die Vorgängerwand ist, aber genauso stabil. Praktische Vorteile dieses KI-Designs: weniger Treibstoff, weniger Emissionen.

Künstliche Intelligenz eröffnet neue Wege und steht im Designprozess erst am Anfang ihrer Karriere.
Holger Hampf, Präsident Designworks, BMW Group

Generative Gestaltung im Auto-Design

Generatives Design findet auch seinen Weg ins Automobil- und Industriedesign. Holger Hampf ist Präsident der BMW Tochter Designworks. Sein Team greift unter anderem beim Design neuer Felgen oder auch Sitzen für die unterschiedlichsten Anwendungen auf generatives Design zurück. „Wir speisen neben technischen Parametern auch Designkonzepte in das Programm ein. Es ist lernfähig und berücksichtigt die unterschiedlichen Vorgaben bei der Erstellung von Varianten.“

Aber ist das schon Computer-Kreativität oder gar digitale Kunst? Entstehen beim KI-Design Formen einer Felge, ganz nach der Meinung des Computers? „KI hilft uns in diesem Fall eher bei der Effizienz als der Entwicklung vollkommen neuer Designs“, sagt Hampf. „Der Designer wird zum Dirigenten, gibt Richtungen vor, trifft Entscheidungen.“

Der Mensch bringt Schönheit ins Spiel

Die „Alive Geometry“ des Visionsfahrzeugs BMW VISION NEXT 100 entstand durch generatives Design. Bei Kurvenfahrten dehnt sich die Oberfläche der Radhausabdeckungen. Dadurch sind die Räder stets abgedeckt.

Der BMW Design-Experte Holger Hampf ist sich sicher: „Künstliche Intelligenz eröffnet neue Wege und steht im Designprozess erst am Anfang ihrer Karriere. Sie ist bereits Bestandteil unserer täglichen Kommunikation und wird ständig wichtiger.“

An einem bestimmten Punkt aber komme stets die menschliche Kreativität ins Spiel. Fast poetisch sagt Hampf, der Mensch bringe „beauty to the game“ – Schönheit und Eleganz. Hampf glaubt nicht, dass diese intellektuell-kreative Leistung in voraussehbarer Zukunft alleine von Maschinen erbracht werden kann.

„Aber die täglichen Routine-Aufgaben übernimmt ganz sicher nach und nach die KI“, blickt er voraus. In spätestens zehn Jahren werde das der Standard sein. „Es bleibt jedoch noch sehr viel Raum für autonome Entscheidungen des Designers“, erklärt Hampf. „In unserer Arbeit lassen wir Kopf und Herz sprechen. Nur so kann wirkliche Schönheit entstehen.“

KI schafft also Raum und Zeit für die eigentliche Arbeit der Designer. Kunden kaufen ein Auto nicht nur deshalb, weil sie von A nach B kommen möchten. Sie wünschen auch ein emotionales Erlebnis. Und das kann nur ein Designer mit Leidenschaft für sein Objekt erschaffen.

Die Zukunft hat schon begonnen

Domagoj Dukec, Leiter Design BMW i und BMW M.

Künstliche Intelligenz ist nicht die einzige Technologie, die das Auto-Design verändert. E-Mobilität und automatisiertes Fahren bieten den Designern schon heute neue Möglichkeiten. Ein Interview mit Domagoj Dukec, Leiter Design BMW i und BMW M, über das Design der Automobile von morgen.

Das Auto wird zum Wohlfühlbereich. Die Designer des BMW Vision iNEXT realisieren diesen Trend unter anderem mit intelligenten Oberflächen.

Herr Dukec, wie wird ein Fahrzeug in 15 Jahren aussehen? Wie aus einem Science-Fiction-Film?

Domagoj Dukec: Ich liebe Science-Fiction-Filme. Sie beschäftigen sich mit der Zukunft und geben dieser eine konkrete Gestalt. Dafür braucht es eine besondere Vorstellungskraft. Jedenfalls wird es beim Design ein paar grundlegende Änderungen geben, die unser Verständnis von Autos revolutionieren.

Was meinen Sie mit Revolution im Auto-Design?

Dukec: Autos werden in nicht allzu ferner Zukunft immer autonomer fahren. Dadurch bekommen die Kunden mehr Entscheidungsfreiheit, mehr Selbstbestimmung. Sie können noch selbst fahren, müssen es aber nicht mehr, sondern können sich auch mit anderen Dingen beschäftigen. Unsere Aufgabe ist es, Fahrzeuge um diese vielfältigeren Bedürfnisse herum zu gestalten.

Wie sieht das konkret aus? Erkennt man das am Beispiel der Visionsfahrzeuge von BMW?

Dukec: Ja, zum Beispiel in unserem neuen Visions-Fahrzeug, dem BMW Vision iNEXT. Es geht darum, Lebenszeit zu gewinnen. Boutique-Hotels waren eine Inspiration für die Gestaltung des Interieurs, einen Ort des Wohlfühlens. Das Interieur ist dabei bewusst offen gestaltet und ermöglicht den Dialog. Und wenn der Fahrer auf vollautomatisiertes Fahren umschaltet, lassen sich viele Funktionen auch über intelligente Oberflächen bedienen. Die Technologie rückt bewusst in den Hintergrund und wird erst sichtbar und bedienbar, wenn es gewünscht ist. Ganz einfach und intuitiv.

Batterie statt Tank, kleiner E-Motor statt großem Verbrenner: Die „Elektrizifierung“ bedingt Veränderungen an wesentlichen Fahrzeug-Bauteilen.

Der BMW Vision iNEXT blickt sehr weit voraus. Verändert die E-Mobilität als weitere Zukunftstechnologie schon heute das Auto-Design?

Dukec: Zunächst einmal ist Elektroantrieb nur eine technische Beschreibung. Sie äußert sich im Design durch Effizienzmaßnahmen, um die Reichweite zu erhöhen, und in typischen Veränderungen an wesentlichen Bauteilen: Batterie statt Tank, kleine E-Motoren statt großem Verbrenner, Leistungselektronik statt Getriebe. Die meisten Kunden möchten jedoch auch bei Elektroautos eine Designsprache erleben, die sie vielleicht schon als Kinder bewundert haben, weshalb wir auch in Zukunft weiterhin die Markenwerte von BMW bewahren. Dazu gehört natürlich die BMW-typische Niere.

Der BMW i3 (oben) war das erste Fahrzeug mit einer geschlossenen Niere. Beim BMW i Vision Dynamics wird sie zur Intelligenzfläche: Sie enthält die Sensoren für das automatisierte Fahren.

Der BMW i3 war das erste Fahrzeug mit einer geschlossenen Niere. Was hat es mit dieser Design-Innovation auf sich?

Dukec: Der Elektroantrieb des BMW i3 sitzt im Heck. Deshalb benötigen wir an der Front weniger Lufteinlässe. Wir konnten die Niere also schließen und dadurch die Aerodynamik optimieren. Bei unseren Visionsfahrzeugen wie dem BMW i Vision Dynamics oder dem BMW Vision iNEXT haben wir in die geschlossene Niere zugleich die Sensoren für das automatisierte Fahren integriert. Die Niere wird dadurch zur Intelligenzfläche, was wir zusätzlich durch einen blauen Lichtakzent hervorheben.

Wie viel ist bei diesen Fahrzeugen reine Vision und wie viel schon Wirklichkeit?

Dukec: Der BMW i Vision Dynamics und der BMW Vision iNEXT sind mehr als nur Visionsfahrzeuge oder Design-Fingerübungen. Wir geben den Kunden damit ein Versprechen, was sie von uns in Zukunft erwarten können.

MY FAVORITE SPACE.

Der BMW Vision iNEXT.

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