Fahrdynamik pur: mit dem BMW i4 M50 auf dem Salzburgring

9 min Lesedauer
Charakteristischer Fahrspaß mit neuer Technologie: Bei der Entwicklung des BMW i4 M50 – des ersten reinen E-Sportwagens von BMW i und BMW M – wurde höchstes Augenmerk auf ein präzises und souveränes Fahrwerk bei gleichzeitigem Langstreckenkomfort gelegt. Auf dem Salzburgring unterzieht Rennfahrerin Charlie Martin Fahrzeug und Fahrdynamik bei teilweise strömendem Regen dem Härtetest – den der BMW i4 M50 mit Bravour meistert.

16. November 2021

Elektrische Reichweite (WLTP) in km: 416-521  
Stromverbrauch in kWh/100 km: 22,5-18,0  

Sieben Uhr morgens. Nebel steigt an den bewaldeten Talhängen des Salzburgrings empor. Das Thermometer zeigt neun Grad Celsius, es regnet seit Stunden. Die nasse Fahrbahn glänzt im Licht des Morgengrauens. Herausfordernde Fahrbedingungen für den neuen BMW i4 M50, der in der Garage der Boxengasse gleich für eine Ausfahrt geweckt wird. Doch für Charlie Martin liegt der Reiz genau in diesen Fahrbedingungen und in dem anspruchsvollen Terrain der Rennstrecke. Die Transgender-Rennfahrerin (➜ Lesen Sie auch: Charlie Martin im Porträt am Nürburgring) stellt sich Herausforderungen mit Durchsetzungswillen und Neugier und ist bereit, den ersten reinen E-Sportwagen von BMW i und BMW M auf Herz und Nieren zu prüfen.

Von Beginn an auf Fahrdynamik ausgerichtet

Letzte Tipps und Instruktionen erhält die britische Profi-Rennfahrerin dabei von David Ferrufino, der als Projektmanager für die Entwicklung des BMW i4 M50 verantwortlich zeichnet. Eines der Features, die es zu testen gilt, ist beispielsweise die Launch-Control innerhalb des Sport Boost Modus, die beim Start eine maximale Beschleunigung ermöglicht. Für Ferrufino bietet das vollelektrische Fahrzeug (➜ Lesen Sie auch: Alle Elektrofahrzeugtypen im Überblick) in seiner Klasse das Optimum aus höchster Dynamik und gleichzeitig angemessenem Komfort. Er erklärt: „Bei der Entwicklung des Fahrwerks wurde höchstes Augenmerk auf Präzision und Souveränität bei gleichzeitiger Alltagstauglichkeit und Langstreckenkomfort gelegt. Die DNA des BMW i4 M50 ist auf einen noch sportlicheren Charakter ausgerichtet, der keine Wünsche offenlässt.“

Bei einer Proberunde verschafft sich Charlie Martin einen Eindruck von den wichtigsten Punkten der Strecke und der Ideallinie. Dann stehen alle Ampeln auf Grün, um Dynamik, Traktion und Fahrverhalten in der Praxis zu erleben. Nur für kurze Zeit gibt es auf dem Asphalt trockene Passagen, überwiegend erhöht Regen den Schwierigkeitsgrad für Fahrzeug und Fahrerin.

Anhand fünf markanter Streckenabschnitte geben Projektleiter Ferrufino und Profi-Rennfahrerin Charlie Martin einen Einblick, welche Fahrdynamik-Attribute bei der Entwicklung des BMW i4 M50 im Fokus standen und wie sie auf dem Kurs des Salzburgrings besonders gut zur Geltung kommen.

Fahrdynamik im Video erleben: Charlie Martin und der BMW i4 M50 auf dem Salzburgring

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Emco-Kurve – steife Karosserie und perfekte Lenkung

„Wir haben die Steifigkeit des Batteriegehäuses aufgrund seiner Crash-Anforderungen in der Fahrdynamik-Entwicklung ausgenutzt und die Vorder- und Hinterachse über ein Vorderachsschubfeld und ein Hinterachsfederbein-Paket sehr steif angebunden“, erklärt Ferrufino. „Dadurch kann der Kraftfluss sehr präzise und schnell von der Vorderachse über das Batteriegehäuse auf die Hinterachse übertragen werden. Der Fahrer erlebt ein sehr agiles Fahrzeug, das sehr schnell auf den Fahrerinput reagiert. Dadurch fährt das Fahrzeug wie auf Schienen.“

Diese Lenkpräzision in jeder Phase der scharfen S-Kurve nach der Boxenausfahrt, vor allem im hohen Grenzbereich am Kurveneingang und -ausgang, ist bemerkenswert, stimmt Charlie Martin zu. „Beim Einlenken in eine enge Kurve war ich beeindruckt, wie sauber das Fahrzeug trotz der nassen Fahrbahn einlenkt. Der BMW i4 M50 reagiert sehr präzise. Es gibt keinen zeitlichen Versatz zwischen Lenkradbewegung, der Aufhängung und der Bewegung des Reifens auf den Asphalt. Die Vorderachse des Fahrzeugs hat beeindruckenden Grip und erlaubt es mir, das Auto dort zu platzieren, wo ich es haben möchte, ohne dass es abweicht. Die Vorteile dieser präzisen Lenkung sind in der Emco-Kurve von Anfang an zu spüren.“

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Nockstein-Kehre – Traktion entscheidet

In der nach einer kurzen Geraden folgenden Nockstein-Kehre (➜ Lesen Sie auch: So fahren Sie Kurven richtig) könne das enorme Traktionspotenzial in Verbindung mit der hohen Dynamik aus dem Antriebsstrang die sportlichen Vorzüge des BMW i4 M50 besonders zur Geltung bringen, verrät Ferrufino.

„Der Hauptzweck des Stabilisators besteht darin, die Rollsteifigkeit der Achse, an der er montiert ist, zu verändern. Das Verhältnis der Wanksteifigkeit zwischen Vorder- und Hinterachse beeinflusst die Balance des Autos, insbesondere die Neigung zum Unter- oder Übersteuern“, fügt Charlie Martin hinzu und hebt die besondere Traktion des BMW i4 M50 in der langen Kurve hervor. „In der Nockstein-Kehre kann ich mit der Balance des Autos spielen. Man nimmt viel Geschwindigkeit mit in die Kurve und kann die Kraft der E-Maschine schon sehr früh nutzen. Durch den Grip an den Reifen, der mich vorwärts aus der Kurve treibt, habe ich ein gutes Lenkgefühl. Die Traktion ist so beeindruckend, es fühlt sich an wie ein magnetischer Teppich. Daher habe ich das Vertrauen, meine Fahrlinie vorauszusehen, während ich die Kraft des E-Motors einsetze – und das selbst bei nassen Bedingungen. Tatsächlich kann ich die Grenzen mehr ausreizen, als ich es für möglich gehalten hätte, und noch mehr Geschwindigkeit aus der Kurve mitnehmen.“

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Ostschleife – Fahrdynamik in allen Facetten

Um in der Ostkurve seine Stärken auszuspielen, muss ein Fahrzeug die perfekte Kontrolle in jeder Fahrsituation bieten – sowohl bei äußeren Einflüsse wie Regen als auch bei fahrbahnspezifischen Hindernissen wie Senken und Curbs“, erklärt Ferrufino. „Entscheidend sind hier eine präzise Lenkung und ein unmittelbarer Übergang vom Bremsen zum Beschleunigen, wie es der BMW i4 M50 ermöglicht. Das Erlebnis für Fahrer ist die Leichtfüßigkeit des Fahrzeugs. Es bietet ein ideales Fahrverhalten von einem sehr komfortablen und leisen Dahingleiten bei den Alltagsfahrten bis hin zu der ambitionierten Überlandfahrt – oder eben einer schnellen Runde auf dem Salzburgring.“

Charlie Martin legt besonderen Wert auf die Steifigkeit von Fahrwerk und Aufhängung. „In diesem Abschnitt muss das Auto ruhig bleiben, so wenig wie möglich wanken oder sich neigen, denn man will Vertrauen in das Fahrwerk haben. Dank dieser Stabilität und Gelassenheit hat man beim Einlenken in die Ostschleife, die in einer langen Links-rechts-Kombination mit sehr hoher Geschwindigkeit angefahren wird, ein sehr solides und akkurates Gefühl am Lenkrad.“

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Fahrerlager-Kurve – Vorsprung durch E-Antrieb

Die große Herausforderung bei der Entwicklung des elektrischen BMW i4 im Vergleich zum Verbrennungsmotor war, das Mehrgewicht der Batterie von 561 Kilogramm zu kompensieren. Für Ferrufino eine Chance und reizvolle Aufgabe zugleich, die mit Teamwork gelöst wurde. „Ein sehr gutes Beispiel ist die Verwendung der Batterie als zentrales Karosserieelement. Durch die Steifigkeit des Batteriegehäuses kann der Kraftfluss des E-Antriebs präzise und agil übertragen werden.“

Diese Agilität weiß Charlie Martin zu schätzen. „Die Fahrerlager-Kurve ist ein intensiver Streckenabschnitt, weil man sich mit hoher Geschwindigkeit nähert, stark bremst und mehrere Gänge herunterschaltet. Das kann leicht dazu führen, dass das Fahrzeug aus der Spur gerät und man die Kontrolle verliert. Im BMW i4 M50 muss ich mir keine Gedanken über das Herunterschalten machen, sondern nur über meine Linie und das Bremsen. Ohne das Motorengeräusch eines Verbrennungsmotors als Referenz sind meine Sinne ganz auf das Feedback von Lenkung und Fahrwerk eingestellt, was bedeutet, dass ich mich noch mehr auf die Abstimmung des Autos konzentriere und die perfekte Balance finde, um die Geschwindigkeit am Kurveneingang zu maximieren. Wieder einmal hat mich das Auto überrascht, weil es sich so leichtfüßig anfühlt.“

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Schikane – dank Beschleunigung zur Ideallinie

Die in einer links-rechts-links eingelenkten Kombination gefahrene Schikane verlangt Fahrzeug und Fahrer noch einmal alles ab. „Um Herausforderungen wie diese sportlich zu meistern, spielen beim BMW i4 M50 viele Komponenten für eine elektrisierende Fahrdynamik zusammen“, erläutert Ferrufino. Wie diese erreicht wird? Unter anderem durch den Einsatz des Adaptiven M Sportfahrwerks, einen tieferen Schwerpunkt und ein Strebenpaket mit um 70 Prozent erhöhter Steifigkeit im Vergleich zum BMW 3er. Darin kommen eine überarbeitete Achsgeometrie mit um 26 Millimeter verbreiterter Spur an der Vorderachse und zwölf Millimeter an der Hinterachse, die Aktornahe Radschlupfbegrenzung ARB-X mit zehnfach schnellerer Drehmomentregelung und ein Gurney Flap – ein Heckflügel für erhöhten zusätzlichen Anpressdruck – zum Einsatz.

Entscheidend in der Schikane sei die hohe Beschleunigung aus engen Kurven heraus, betont Charlie Martin. „Das Fahrzeug beherrscht präzise Richtungswechsel und behält dabei eine hervorragende Haftung an der Vorderachse, mehr als ich von einem Allradmodell erwartet hätte. In der Schikane ist es wichtig, die Mindestgeschwindigkeit zwischen den Kurven beizubehalten. Mit dem BMW i4 M50 muss man nie zwischen dem zweiten und dritten Gang hin- und herschalten, man hat jederzeit eine sofortige Beschleunigung zur Verfügung. Das verschafft dem Fahrer definitiv Vorteile gegenüber einem Verbrennungsmotor, die Elastizität der Kraftentfaltung muss man einfach erleben.“

Fahrfreude teilen

Es ist 18 Uhr, die Testfahrt ist zu Ende. Im strömenden Regen glänzt die Rennstrecke im Licht der Boxengasse, während der Wagen in die trockene Garage fährt. Neugierig lauscht der Projektleiter den Fahreindrücken, die Charlie Martin danach schildert.

Für Ferrufino ist es ein besonderer Moment: „Das Schönste für einen Projektleiter, aber natürlich auch für uns als BMW ist es, wenn wir den Kunden und Fans mit unseren Produkten, die drei, vier oder gar mehr Jahre Entwicklungszeit in sich tragen, Freude schenken können. Die Testfahrt und das direkte Feedback von einer passionierten Rennfahrerin wie Charlie Martin zu erleben, ist ein besonderes Gefühl.“ 

Als die letzten Scheinwerfer an der Rennstrecke ausgehen, macht sich Charlie Martin auf, der nächste Termin, das nächste Rennen wartet. Sie wirft dem BMW i4 M50 einen langen, letzten Blick zum Abschied zu. Ganz still. Man kann, aber muss Fahrfreude gar nicht immer buchstabieren. Mimik sagt mehr aus als tausend Worte.

Autor: Markus Löblein; Fotos: Yannick Wolff; Video: Yannick Wolff, Patrick Zander

THE i4 M50

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