„Black Widow“ Stunts: BMW in der Hauptrolle

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Im neuesten Marvel Studios Film „Black Widow“ stellt Natasha Romanoff ihre Fahrkünste bei spektakulären Stunts im BMW X3 und im BMW 2er Gran Coupé unter Beweis. Wie wurden die Stunts durchgeführt? Und wie unterscheiden sich Filmautos eigentlich von regulären Modellen? Wir geben exklusive Einblicke in die Dreharbeiten.

25. Juni 2021

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Quietschende Reifen, Drifts, eine 180-Grad-Drehung in voller Fahrt: In Höchstgeschwindigkeit führt eine Verfolgungsjagd durch die Budapester Innenstadt. Scarlett Johansson als Natasha Romanoff und Florence Pugh als Yelena Belova liefern sich in einem BMW X3 ein Duell mit einem Militärfahrzeug und mehreren Motorrädern. Plötzlich eine Explosion – und eine Druckwelle schleudert das SUV, bevor sich der Wagen überschlägt, als würde er Pirouetten drehen. „Cut! Cut!“, hallt es laut durch die Szenerie. Darrin Prescott, der Second Unit Director des Stunt-Teams des Films ist zufrieden, die spektakuläre Fahrszene für „Black Widow“ im Kasten zu haben. Doch der nächste Film-Stunt wartet schon.

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Behind the scenes von Marvel Studios „Black Widow“ und dessen Stunts: Sehen Sie den BMW X3 und BMW 2er Gran Coupé im Making-of-Video

Jedes Stunt-Auto wird individuell präpariert

Grundsätzlich könne man jedes Fahrzeug in einen Stunt-Wagen transformieren, verrät der Second Unit Director. „Es ist eine Frage der Zeit – und der Kreativität. Entscheidend ist, was das Drehbuch vorgibt. Wenn es nötig ist, schalten wir Funktionen wie ESP oder Sicherheitsassistenten ab, tauschen das Triebwerk aus oder reißen die ganze Karosserie vom Auto und bauen es ganz neu wieder auf.“

Neben dem BMW 2er Gran Coupé wurden insgesamt 13 BMW X3 für den Film präpariert, einige davon wurden aber auch als Produktionsfahrzeug genutzt, erzählt Prescott und macht gleich den akribischen Aufwand deutlich, der in den Fahrszenen des neuesten Films aus dem Marvel Cinematic Universe (MCU) steckt. Wenige Sekunden Film erfordern stundenlange Vorbereitungen, teils gar mehrere Tage Planung.

©Marvel

„Wie ein Fahrzeug für einen Film-Stunt modifiziert wird, hängt davon ab, was wir von ihm in der jeweiligen Szene verlangen“, erklärt der Second Unit Director. Eine erste Stellschraube sind die vom Autohersteller eingebauten Fahrsicherheits-Einrichtungen. Im Straßenverkehr sind sie unverzichtbar, für Stunt-Szenen und Film-Autos gelten aber andere Anforderungen. „Ein Auto, das brav um die Kurve kommt, wirkt auf der Leinwand nicht so mitreißend, als wenn der BMW X3 um die Ecke driftet. Wir bauen daher in das Stunt-Auto eine Handbremse ein, die mechanisch neu konstruiert ist, und stellen die Möglichkeit eines zweiten Bremssystems her, damit der Stuntfahrer in Aktion treten kann. Der Stuntfahrer sitzt meist unsichtbar für die Kamera hinter den Schauspielern oder in Käfigkonstruktionen auf dem Dach und lenkt das Fahrzeug. Visual Effects sorgen für eine perfekte Illusion.“

Sicherheit stehe dennoch an erster Stelle, betont Prescott: „Wir installieren Überrollkäfige im Chassis und verstecken Überrollbügel sogar in den Radkästen, damit die Reifen nicht platzen. Auch die Stoßstangen werden verstärkt. In einer Szene im Film ,Black Widow‘ manövriert die Stuntfahrerin den BMW X3 bei Vollgas in eine 180-Grad-Drehung und streift dabei mit der Fahrzeugseite eine Straßenlaterne. Dafür musste das Team im SUV Stangen einbauen, um die Insassen zu schützen.“

Regisseur, Stunt-Team und VFX-Abteilung: Den perfekten Stunt umzusetzen, ist nur in Teamarbeit möglich.
Darrin Prescott

Second Unit Director

©Marvel

Stunts, so einzigartig wie möglich

In Marvel Studios actiongeladenem Agenten-Thriller „Black Widow“ wird Natasha Romanoff alias Black Widow mit einigen der dunkleren Punkte ihrer Vergangenheit konfrontiert, als sie sich einer gefährlichen Verschwörung gegenübersieht. Der Film enthält Spannung, raffiniert choreografierte Action-Sequenzen und beeindruckende Special Effects. Für Darrin Prescott sind genau das die Zutaten, die einen Film der Marvel Studios ausmachen – gewürzt mit einer großzügigen Prise außergewöhnlicher Stunts. Und die seien nur in Teamarbeit umzusetzen, erklärt der Second Unit Director. „Regisseur, Stunt-Team und die für die Visual Effects verantwortliche VFX-Abteilung müssen Hand in Hand arbeiten, um ein solches Projekt zu realisieren. Und die Special-Effects-Abteilung von Marvel versteht ihr Handwerk wie keine andere.

Die Ideen für die Stunts entstehen oft spontan, schließlich sollen sie so originell wie möglich sein. Wir wollen nie zuvor gesehene Action auf die Leinwand bringen. Das stellt uns automatisch vor eine große Herausforderung – aber wir feilen so lange an kleinen Nuancen in der Handlung und an den Drehorten, bis wir das perfekte Spielfeld für unsere Stunt-Ideen geschaffen haben.“ Die Ausführung obliegt weitgehend dem Stunt-Koordinator. Dieser testet die Umsetzbarkeit und entscheidet, wie Stunt-Autos und das Location-Set modifiziert werden. Und nur er kennt sein Team und die jeweiligen Stuntmen gut genug, um zu wissen, was beim Dreh möglich ist und wo die Grenzen liegen.

©Marvel
Im Idealfall bekommen wir große Stunts mit der ersten und einzigen Aufnahme hin.
Darrin Prescott

Second Unit Director

„Black Widow“Verfolgungsjagd in einem Take

Der Umfang des Stunts bestimmt auch, wie viele Einzelaufnahmen für die Szene gemacht werden können. „Sobald wir mit den Dreharbeiten starten, beginnt die Uhr zu ticken“, erklärt Prescott. Jede Einstellung und Kameraposition ist genau dokumentiert. „Filmdrehs folgen einem eng und strikt getakteten Zeitplan. Verzögerungen können kostspielig sein. Wir haben eine bestimmte Anzahl von Drehtagen. Wenn etwas schiefgeht, müssen wir den Aufwand an anderer Stelle etwas reduzieren oder bearbeiten, um die Anzahl der Tage einzuhalten.“ Eine herausfordernde Actionszene wie die Budapester Verfolgungsjagd mit dem BMW X3 oder choreografierte Fahrszenen mit dem BMW 2er Gran Coupé müssten deswegen bis ins kleinste Detail geplant und vorbereitet sein.

„Im Idealfall bekommen wir große Stunts in einem Take hin“, verrät Prescott und ergänzt: „Wenn ein Auto umkippt, haben wir etwa einen halben Drehtag Zeit, das Fahrzeug wiederherzurichten und neu zu drehen.“ Gäbe es einen neuen Drehversuch, müsse man mit einem ganzen Tag kalkulieren. „Darin liegt auch der Unterschied zu einer Kampfszene. Wenn mir in einer Kampfszene der Kamerawinkel nicht gefällt, kann ich ihn sofort ändern. Wenn Sie bei einem Auto-Stunt die Filmaufnahme sehen und der Winkel nicht stimmt, ist das ein Problem. Man kann es nicht einstudieren. Wenn wir die Szene nach drei Takes nicht im Kasten haben, müssen wir umdenken.“

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Auto-Stunts oder: die Kunst zu improvisieren

Die einzige Konstante bei Stunts mit Fahrszenen ist: Es gibt keine. Man könne alles im Vorfeld planen, versuchen, sich auf alles vorzubereiten, sagt Prescott. „Aber wir müssen in unserem Beruf offen sein für Veränderungen – jeden Tag aufs Neue. Wetterumschwünge, technische Defekte – wir improvisieren ständig. Wir versuchen, bei Stunts so viel wie möglich vor der Kamera zu erledigen. Es gibt aber immer Ausnahmesituationen. In einer Szene zum Beispiel kollidiert ein Fahrzeug während der Fahrt mit mehreren Wagen. Wir haben so viele wie möglich am Set platziert, hatten jedoch nicht die Zeit, alles eins zu eins wie im Drehbuch aufzubauen. Daher hat das VFX-Team nachträglich noch Autos eingefügt, um die visuelle Wirkung zu verstärken.“

Wie nutzen wir für Natasha Romanoff die Vorteile, in einem BMW zu fahren, und stellen dabei dessen Stärken zur Schau? Das Stunt-Team hat sich an der Leistungsfähigkeit des Wagens orientiert und das Potenzial in der Sequenz maximal ausgenutzt.
Darrin Prescott

Second Unit Director

©Marvel

„Black Widow“ Stunts: BMW X3 mit Spezial-Einsatz

Die Stunt-Fahrzeuge in Marvel Studios „Black Widow“ haben keine Superkräfte oder spezielle Panzerungen. Ihr im Drehbuch vorgesehener Einsatzzweck lässt außerdem weit mehr als nur ein paar Kratzer im Lack zurück. „Als wir wussten, dass wir außer mit dem BMW 2er auch mit einem BMW X3 drehen würden, haben wir Elemente der Verfolgungsjagd für Marvel Studios ,Black Widow‘ in Budapest neu konzipiert. Ein SUV, das von einem Motorrad verfolgt wird: Wie nutzen wir für Scarlett Johansson die Vorteile, in einem BMW zu fahren, und stellen dabei die Stärken des Fahrzeugs zur Schau? Das Stunt-Team hat sich an der Leistungsfähigkeit des Wagens orientiert und das Potenzial in der Sequenz maximal ausgenutzt. Sowohl Schauspieler als auch Stuntmen waren überrascht, wie viel Dynamik die Fahrzeuge mitbrachten und wie wenig mit Tricks nachgeholfen werden musste.“

Ein bisschen Wehmut verspürte der erfahrene Stunt-Koordinator dann aber doch. „Im Verlauf der Szene touchiert der BMW X3 eine Straßenlaterne und verliert seine Beifahrertür. Die mussten wir entsprechend präparieren – was sich wegen der Robustheit des Fahrzeugs schon schwierig gestaltete. Ein so schönes Auto zu nehmen und es zu demolieren: Ich war hin- und hergerissen. Aber wenn man den fertigen Film betrachtet, war es den Aufwand für jede noch so kleine Einstellung wert.“

Beim Driften bin ich sehr penibel, wenn es darum geht, die Dinge dorthin zu bringen, wo ich sie haben will.
Darrin Prescott

Second Unit Director

Was geschieht mit den modifizierten und verwendeten Stunt-Fahrzeugen nach Abschluss der Dreharbeiten? „Für den Straßenverkehr sind die Stunt-Autos nicht zugelassen“, betont Prescott. „Die Fahrzeuge bleiben im Besitz der Studios oder gehen zurück an den Autobauer und werden dann recycelt.“ Manche Fahrzeuge gehen aber auch in Sammlungen und Ausstellungen.

Auf die Frage, ob er sehr penibel sei, sagt Darrin Prescott: „Ja: Beim Driften bin ich sehr penibel, wenn es darum geht, die Dinge dorthin zu bringen, wo ich sie haben will. Ich wiederhole es fünf-, sechs-, wenn es sein muss, auch zehnmal.“ Stichwort Fahrkünste, Hand aufs Herz: Sind Stuntfahrer automatisch die besseren Autofahrer? Prescott muss sich ein Lächeln verkneifen, als er antwortet: „Ich kenne einige Fahrprofis und Stuntmen, die sich im Straßenverkehr verhalten wie ein Fußballer auf einem Eishockeyfeld. Filmset und Berufsverkehr sind dann doch zwei unterschiedliche Paar Schuhe.“

Sehen Sie den BMW X3 und das 2er Gran Coupé in Marvel Studios' Black Widow, wenn er in die Kinos kommt.

Fotos: Marvel; Autor: Markus Löblein; Video: Marvel

THE 2 Gran Coupé

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