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Goodbye, BMW i3: Diese Liebe rostet nichtGoodbye, BMW i3: Diese Liebe rostet nicht

Goodbye, BMW i3: Diese Liebe rostet nicht

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Mit dem Ende der BMW i3 Produktion geht der Blick zurück auf über ein Jahrzehnt außergewöhnliche Automobilgeschichte. Kaum jemand kennt diese Zeit und das erste vollelektrische Serienautomobil von BMW so gut wie Wim Van Bogaert. Der leidenschaftliche Elektrofahrer hat in den letzten zehn Jahren in mehreren BMW i3 Modellen über 500.000 Kilometer zurückgelegt.

24. Juni 2022

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Kurz nach dem Start des BMW i3 im Jahr 2013 war das Internet voller Videos mit lachenden Menschen. Während der ersten Probefahrten mit Interessenten entstanden Smartphone-Videos, auf denen die Freude der Passagiere während der ersten Kilometer mit dem neuen Elektroautomobil zu sehen war. Ihre lustigen Probefahrten teilten die Menschen anschließend über ihre Social-Media-Kanäle.

 

Verliebt in die Idee des BMW i3
BMW i3; Elektroauto; Nachhaltigkeit; PionierBMW i3; Elektroauto; Nachhaltigkeit; Pionier

An der Idee der gefilmten und geposteten Fahrfreude beteiligt war damals unter anderen der BMW Marketing-Experte Wim Van Bogaert. Der Belgier wirkt seit 2001 in verschiedenen Stationen im Zentralen Marketing in der BMW Group, unter anderem als Verantwortlicher für Messen und Events, Innovationsmanagement, Retail Marketing, Digital und Performance Marketing. Im Jahr 2013 war er Teil des Teams, das die Premiere des BMW i3 im weltweiten BMW Händlernetzwerk verantwortete. Lange vor den ersten Fahrten der Kunden hatte er den BMW i3 kennengelernt und sich in den visionären Charakter des ersten vollelektrischen Serienautomobils von BMW verliebt. Van Bogaert steht damit stellvertretend für die vielen geistigen Mütter und Väter des BMW i3, für alle Beteiligten an diesem Projekt. Und auch für die zahlreichen Fans des E-Autos außerhalb des Unternehmens.

Schon vor dem Serienstart war Van Bogaert bereits kurze Strecken mit Prototypen gefahren, hatte mit dem Designer Benoit Jacob gesprochen, war dem Projektleiter Ulrich Kranz begegnet und bekam technische Details von Ingenieuren wie Jens Halbedel erklärt. „Ein Elektroauto in Großserie von Grund auf neu zu entwickeln, war 2013 ein technologisches Wagnis. Damals gab es nur Nischenprodukte und Bastel-Lösungen von Ökos für Ökos.“

 

Projekt i – so begann die Geschichte des BMW i3

In dieser Situation war es eine mutige Entscheidung des damaligen BMW Vorstands für ein Milliardenprojekt zur Elektromobilität. Denn für die Entwicklung und Produktion des BMW i3 stellte man viele Uhren auf null. Auf einmal war die wertigste Komponente nicht mehr der Motor, sondern die Batterie. Dabei war und ist BMW der Inbegriff für hochklassige Verbrennungsmotoren (➜ Lesen Sie auch: 12 Motorenmeilensteine).

Und so tüftelte zunächst eine exotische Truppe aus Strategen, Elektroingenieuren und Chemikern um den Visionär Ulrich Kranz unter dem Codenamen „Projekt i“ (➜ Lesen Sie auch: Die Erfolgsgeschichte einer Vision) kaum beachtet im Schatten der BMW Konzernzentrale. Dabei nutzte Kranz für die Konzeption des BMW Elektromobils gezielt BMW Experten und ihr Know-how. Um das hohe Zusatzgewicht der Batterie zu kompensieren, kontaktierte er BMW Leichtbau-Experten aus dem Werk Landshut. Gemeinsam gelang ihnen etwas scheinbar Unmögliches – ein Elektrofahrzeug ohne das Zusatzgewicht eines schweren Akkus. Eine verblüffende und auch 10 Jahre später unerreichte Leistung. Alle aktuellen Elektrofahrzeuge haben teilweise mehrere Hundert Kilo Mehrgewicht gegenüber ihren konventionell angetriebenen Pendants.

Das ist der BMW i3

Der BMW i3 ist ein Elektroauto von BMW. Es wurde von 2012 bis 2022 im BMW Werk Leipzig produziert. Charakteristisch für das Elektroauto sind das einzigartige Design, der hohe Carbon-Anteil der Karosserie, die gegenläufig öffnenden hinteren Türen und das ganzheitliche Konzept bei der Verwendung der verbauten Materialien.

 

E-Autos ermöglichen neue technische Layouts

Spätestens mit der erste Designstudie des BMW i3 auf der IAA 2011 richteten sich die Augen nicht nur aller BMW Mitarbeiter, sondern der gesamten Autowelt auf das Projekt i. Als einer der Verantwortlichen für den BMW Messestand auf der IAA erinnert sich Wim Van Bogaert: „Jetzt erkannte jeder, dass dieses Projekt revolutionär war. Von Grund auf neu gedacht, erlauben reine Batterieautos ein verändertes technisches Layout, und der BMW i3 zeigte das auf den ersten Blick. Zu sehen war ein vollkommen neues Fahrzeugkonzept, veränderte Proportionen sowie ein außergewöhnliches Design im Exterieur und im Interieur. Es fühlte sich an wie der Blick durch ein Schlüsselloch in eine aufregende Zukunft.“

Knapp zwei Jahre später war es so weit und Van Bogaert bekam seinen ersten BMW i3 aus der neuen Serienproduktion im BMW Werk Leipzig. Auch nach bald zehn Jahren erinnert er sich an seine ersten Eindrücke, die er im BMW Dialekt beschreibt: „Kein Noise, keine Vibration oder Harshness wie bei einem Verbrenner.“ Die ersten Wochen im BMW i3 wirkten auf Van Bogaert wie eine Verhaltenstherapie: „Ich bin zuvor einen emotional herausfordernden Verbrenner gefahren. Der hat mir ständig eingeflüstert: ‚Du bist schneller, gib Gas, überhol doch.‘ Der BMW i3 war das glatte Gegenteil. Emotional auf eine leise Art – seine Gelassenheit hat meinen Fahrstil bis heute nachhaltig beruhigt.“

Van Bogaert bestätigt damit eine These des damaligen BMW i3 Designers Benoit Jacob, der das Interieur bewusst mit zurückhaltenden und natürlichen Materialien eingekleidet hat. Zusammen mit der erhöhten Sitzposition in einem luftigen Innenraum ohne Getriebetunnel und mit weit vorne positionierter Armaturentafel sollte das Interieur den Fahrer beruhigen. Eine Strategie nicht ohne Hintergedanken – denn ein ruhiger Fahrstil schont den Akku und bringt dadurch Reichweite (➜ Lesen Sie auch: Elektroauto-Mythen). Schließlich bot die Batterietechnik des Jahres 2013 lediglich eine Kapazität von knapp über 20 Kilowattstunden und erlaubte je nach Fahrweise eine Reichweite von maximal 160 Kilometern.

 

Weite Strecken bringen neue Lade-Erfahrungen

Neben einer neuen Gelassenheit und einem beruhigenden Fahrstil entdeckte Van Bogaert während seiner ersten Fahrten mit dem BMW i3 noch weitere Besonderheiten von Batteriefahrzeugen: „Meine Frau und ich fahren seit vielen Jahren in den Urlaub nach Meran. Bei meiner ersten Fahrt mit dem BMW i3 wählte ich die landschaftlich schöne und kurvenreiche Strecke über das Stilfser Joch. Von der Passhöhe geht es 75 Kilometer bergab bis Meran. Als wir dort ankamen, war der Akku durch die Rekuperation beim Bergabfahren wieder vollkommen gefüllt. Seitdem weiß ich, dass ein Berg bei einem Elektroauto wie eine Ladestation funktioniert.“

Trotz dieser positiven Ladeerfahrung wählte Van Bogaert wie viele Kunden nach seinem ersten BMW i3 ein Modell mit Range Extender, bei dem ein kleiner Benzinmotor als eine Art Generator der Batterie zusätzliche Reichweite verschaffte. Die clevere Idee vereinfachte den Alltag, da es 2013 nur sehr wenige Ladestationen gab. Diese standen zudem bevorzugt in Städten und machten Fahrten über Landstraßen oder Autobahnen zu einem kleinen Abenteuer. Schließlich dauerte das Nachtanken bei einem Elektroauto sehr lange, und es gibt keinen Reservekanister (➜ Lesen Sie auch: Alles über das Aufladen von Elektroautos).

Wegen der fehlenden Infrastruktur zum Nachladen und der geringen Reichweite empfahlen Entwickler und Designer den BMW i3 zunächst bevorzugt als Fahrzeug für Metropolen. Hier fühlt sich das kompakte Elektrofahrzeug bis heute am wohlsten. Seine leidenschaftlichen Anhänger mögen das lokal emissionsfreie Fahren in den lauten und mit Schadstoffen belasteten Innenstädten. Weitere Features wie der minimale Wendekreis, raketenartige Zwischenspurts, eine kompakte Größe trotz loungeartigem Innenraum oder die permanente Rückgewinnung elektrischer Energie machen den BMW i3 zum idealen Citypartner.

 

Mit Pioniergeist sind auch lange Distanzen möglich

Die Konzeption als Fahrzeug für Großstädte hat Van Bogaert jedoch in den letzten zehn Jahren nicht davon abgehalten, regelmäßig Fernfahrten zu unternehmen – anders wären jährlich etwa 50.000 Kilometer auch kaum zu schaffen. Bei Familienreisen verspürten Van Bogaerts Frau und seine beiden Kinder allerdings nicht denselben Pioniergeist wie der elektrisierte Papa. Missstimmung verursachte unter anderem eine erste Familienfahrt von München ins heimische Belgien. Bedenken wegen der langen Strecke und der geringen elektrischen Reichweite des ersten BMW i3 zerstreute der Familienvater mit der Aussage: „Das ist die Zukunft, und wir sind dabei.“ Nach 16 Stunden Fahrt und trotz häufiger Ladestopps war die Euphorie Van Bogaerts, anders als beim Rest der Familie, ungebrochen. „Aber die Stimmung bei meiner Frau und den Kindern war total im Keller“, erinnert er sich schmunzelnd.

Auch danach unternahm Van Bogaert mit gleichbleibender Begeisterung weiterhin lange Fahrten mit dem BMW i3. Seit Ende 2018 bietet dessen Batterie durch ein Batterie-Update die doppelte Kapazität des ersten Modells und damit zeitgemäße 300 Kilometer Reichweite (➜ Lesen Sie auch: Diese E-Auto-Typen gibt es). Mit seinem aktuellen BMW i3s aus der allerletzten Serie und mit dem markanten Schriftzug „Unique forever“ möchte er bis zum Nordkap fahren: „Die Ladeinfrastruktur entlang der Hauptverkehrsstrecken ist in Mitteleuropa und besonders in den nordischen Ländern heute gut ausgebaut.“ Noch ist offen, wann er diesen Traum verwirklichen kann. Fest steht: Van Bogaert wird es tun.

BMW i3; Elektroauto; Nachhaltigkeit; PionierBMW i3; Elektroauto; Nachhaltigkeit; Pionier

 

Im Lauf der Jahre fand der BMW i3 immer mehr Käufer

Das Produktionsende des BMW i3 in diesem Sommer schmerzt Van Bogaert: „Nach knapp 10 Jahren Produktionszeit wirkt der BMW i3 keineswegs von gestern. Das ist beachtlich und liegt an seinem visionären Konzept. In Bereichen wie Leichtbau, Raumgefühl, Nachhaltigkeit und Wertigkeit ist er vielen neuen Modellen noch heute überlegen.“ Das sehen wohl auch viele der bisher knapp 250.000 Käufer so. Denn im Gegensatz zu herkömmlichen Modellen, deren Verkaufszahlen im Lauf ihres Lebenszyklus kontinuierlich sinken, sind sie beim BMW i3 bis zum Produktionsende ständig angestiegen. Aktuell registrieren Verkäufer sogar einen Ansturm auf die letzten Modelle, die ausschließlich im BMW Werk Leipzig mit der Energie aus drei eigens dafür errichteten Windrädern produziert wurden (➜ Lesen Sie auch: So nachhaltig produziert BMW Autos).

Van Bogaert prophezeit dem BMW i3 deshalb schon heute eine weitere Karriere als moderner Klassiker: „Mit seiner rostfreien Carbon-Karosserie, den langlebigen Batterien, der wartungsarmen Technik und der immer noch futuristischen Form wird seine Fangemeinde mit Sicherheit nicht kleiner.“

Vielleicht erleben auch zukünftige Besitzer dann erneut Szenen wie 2013, als die ersten durch die Stadt surrenden BMW i3 Modelle selbst Sportwagen und SUVs die Show stahlen. Auch Van Bogaert hatte zu dieser Zeit einige der schönsten Momente in seiner Zeit als Automobilist: „Mit dem BMW i3 fühlte man sich damals wie ein Pionier. Die Aufmerksamkeit gerade von Kindern und jungen Erwachsenen war riesig. Die mochten das Auto, erkannten die nachhaltigen Ideen dahinter und wollten alles über Elektromobilität wissen.“

„Goodbye, BMW i3“ bedeutet zugleich: „Welcome, BMW iX1“! Das kompakte SAV mit Elektromotor lässt die Abschiedstränen für den BMW i3 schnell trocknen. Mehr über den neuen BMW iX1 erfahren Sie hier:

Autor: Michael Seitz; Art: Verena Aichinger, Lucas Lemuth, Shin Miura; Fotos: BMW; Video: BitteschönTV, Ludwig Bütow