Historische Rennwagen: Legenden von BMW

8 min Lesedauer
Seit über 90 Jahren fahren BMW Rennautos über die Pisten der Welt. Zwölf Meilensteine der historischen Rennwagen der Bayern präsentieren wir hier: vom Langstreckenrenner über Tourenwagen und F1-Boliden bis zum Formula-E-Stromer. Alle verbindet die Leidenschaft von BMW für Motorsport. Anschnallen und festhalten, wir geben Gas – und auch mal Strom!

4. Februar 2021

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Sprotzeln, krakeelen, wummern, kreischen, grummeln – was auf den ersten Blick nach Sprechblasen in Comics aussieht, beschreibt den Sound von Motorsportfahrzeugen auf Rennpisten. Den Klang der Motoren historischer BMW Rennwagen. Es ist Musik für Motorsportfans. Aus Endrohren. Doch für den letzten Eintrag in unsere Hitliste der Rennfahrzeuge im Zeichen der Niere (➜ Lesen Sie auch: Die BMW Niere – Markenzeichen im Wandel) machen wir eine Ausnahme. Hier passen andere Ausdrücke besser: summen, zischen, kurz: stromern.

Doch auch für den E-Sportler gilt: BMW Rennautos wecken Emotionen. Dafür stehen auch die Oldtimer-Rennwagen oder die Kraftprotze aus der Turbo-Ära der Formel 1. Begleiten Sie uns auf der Reise durch die Geschichte von BMW Motorsport: von den Ursprüngen in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts über den erfolgreichsten Tourenwagen aller Zeiten bis hin zum Hightech-Stromer aus der Formula E.

BMW 328 Mille Miglia (1940)

Stolze Sieger: BMW gewinnt das legendäre Langstreckenrennen Mille Miglia (Italien) 1940.

Ganz eng verbunden mit der Tradition des Motorsports bei BMW ist der BMW 328. Bei der legendären Mille Miglia (➜ Lesen Sie auch: Bucketlist für Petrolheads) räumte das Rennauto von BMW im Jahr 1940 groß ab: Gesamtsieg, Mannschaftssieg sowie die Plätze drei, fünf und sechs. Doch schon zuvor hatte der BMW 328 Erfolge gesammelt – wie beim ersten Renntriumph bei der Alpenfahrt 1929 und 1936 beim Eifelrennen. Bei der Mille Miglia vier Jahre später untermauerte der BMW 328 dann seinen Ruf als erfolgreichster Sportwagen Europas. Im Siegerfahrzeug saßen Fritz von Hanstein und Walter Bäumer (beide Deutschland). Nach 8:55 Stunden und einem Durchschnittstempo von rund 168 Stundenkilometern gewannen sie das Rennen mit großem Vorsprung.

BMW 700 RS (1960)

Der BMW 700 RS ist das perfekte Rennauto für kurvige Strecken.

Rennsport funktioniert auch mit wenig Leistung. Wenn das Gesamtpaket stimmt. Bestes Beispiel: der BMW 700 RS. Nur 70 PS bei einem Gewicht von lediglich 630 Kilogramm ergeben eine starke Mischung, bis zu 160 Stundenkilometer erreichen die Leichtsportler. Der Rennwagen von BMW gewann mit diesem Konzept 1960 die deutsche Bergmeisterschaft. Am Steuer: der Rennfahrer (➜ Lesen Sie auch: Charlie Martin – So bunt ist Motorsport) Hans Stuck (Deutschland) – er wird später noch eine Rolle spielen. Das Fahrzeug selbst holte bis zum Jahr 1964 viele weitere Rennsiege.

BMW 2002 TI (1970)

© BMW Group Archiv
BMW gewinnt das allererste 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife des Nürburgrings (Deutschland).

Das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring (Deutschland) ist legendär. 1970 war die Premiere, an der Startlinie dabei: auch Rennautos von BMW. Am Steuer Halbprofis und Amateure wie die Deutschen Hans-Joachim Stuck (Sohn des Bergkönigs Hans Stuck, siehe oben) und Clemens Schickentanz. Ihr Arbeitsplatz war der BMW 2002 TI: 180 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von rund 220 Stundenkilometern reichen zu einem überlegenen Gesamtsieg. Die BMW 02er-Reihe gilt heute übrigens als Begründer der Klasse sportlicher Kompaktlimousinen.

BMW 3.0 CSL (1973)

Mit ihm haben die BMW M Farben Einzug gehalten im Motorsport: der BMW 3.0 CSL auf der Rennpiste.

In keiner Auflistung der besten historischen BMW Rennwagen darf er fehlen: der BMW 3.0 CSL (CSL steht für Coupé Sport Leichtbau). Es wäre einfacher aufzuzählen, wo der Tourenwagen keine Erfolge eingefahren hat. Neben sechs Triumphen in der Europäischen Tourenwagen-Meisterschaft konnte er Klassensiege in Le Mans (Frankreich) oder einen Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Daytona (USA) holen. Es gab Rennversionen, die mit bis zu 800 PS (➜ Lesen Sie auch: Herausragende BMW Motoren) über die Rundstrecken flogen. Auf seiner Außenhaut konnte man 1973 erstmals die BMW M Farben bewundern (➜ Lesen Sie auch: Die Geschichte des BMW M Logos), daher der Spitzname „Streifenwagen“. Und schließlich firmierte er als erstes BMW Art Car (➜ Lesen Sie auch: Wild at Art – die Geschichte der BMW Art Cars). Ohne Zweifel, der BMW 3.0 CSL ist ein besonderer Meilenstein der BMW Renngeschichte.

BMW M1 Procar (1979)

Mehr BMW M1 geht nicht: Start zum Procar-Rennen 1979 in Zolder (Belgien).

Und schon folgt der nächste Traumwagen, der BMW M1. Sein Design unterschied sich radikal vom BMW 3.0 CSL. Beide einte, dass sie auf Rennpisten (➜ Lesen Sie auch: Spektakuläre Stadtkurse) eine überragende Figur abgaben. Der BMW M1 bekam gar seine eigene Rennserie, die BMW Procar Serie. Im Rahmenprogramm von Formel-1-Rennen kämpften in ihr die besten Rennfahrer der Welt auf identischem Material um Positionen und Prestige.

BMW Brabham BT52 (1983)

4 Zylinder, 1,5 Liter Hubraum, Turbolader: die wichtigsten Motorenzutaten von BMW für den Weltmeister-Brabham-BT52.

Apropos Formel 1, Prestige und 80er- Jahre: Im Jahr 1983 raste Nelson Piquet (Brasilien) im von einem BMW Motor befeuerten Brabham BT52 zum Fahrertitel in der Königsklasse des Motorsports. Die Besonderheit war der Motor: Denn erstmals in der Geschichte der Formel 1 gewann ein Fahrer in einem Rennwagen mit Turbomotor. Die Daten des Triebwerks waren – und sind es noch heute, gut 40 Jahre später – imposant. Aus nur 1,5 Liter Hubraum und vier Zylindern zauberten die Motorenentwickler dank des Abgasturboladers in Versionen für die Qualifikation zu den Rennen bis zu 1.400 PS.

BMW M3 (1987)

Der erfolgreichste Tourenwagen aller Zeiten: Roberto Ravaglia im BMW M3 (E30).

Einen Vierzylinder hatte auch der BMW M3 (E30) Tourenwagen unter der Motorhaube. Er fuhr damit von Sieg zu Sieg auf den Rundkursen (➜ Lesen Sie auch: Diese Frau hat die Formel für die Rennstrecken) – und eroberte die Herzen der Motorsportfans. Der BMW M3 gilt bis heute als erfolgreichster Tourenrennwagen überhaupt, eingesetzt nach dem Reglement der Gruppe A und in der DTM. 1987 steuerte Roberto Ravaglia (Italien) das BMW Rennauto direkt zum Weltmeister-Titel. Dazu kamen zahllose Siege bei den 24 Stunden am Nürburgring, beim 24-Stunden-Rennen in Spa (Belgien), der DTM, als Rallye-Fahrzeug und, und, und ...

BMW 320d (1998)

Nagelnd zum historischen Gesamtsieg auf der Nordschleife des Nürburgrings: der BMW 320d.

Auch dieser BMW 3er gehört zu den Höhepunkten der BMW Motorsport-Geschichte. Warum? Weil erstmals ein Fahrzeug mit Dieselmotor das schwerste Langstreckenrennen der Welt in der Grünen Hölle gewann. Hans-Joachim „Striezel“ Stuck (siehe oben, Hans' Stucks Sohn), Christian Menzel, Andreas Bovensiepen (alle Deutschland) und Marc Duez (Belgien) fuhren kontinuierlich und mit extrem wenigen Tankstopps zum Gesamtsieg bei den 24 Stunden vom Nürburgring.

BMW V12 LMR (1999)

Historische Siegesfahrt: BMW holt sich die Krone beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans (Frankreich).

Nicht weniger prestigeträchtig sind die 24 Stunden von Le Mans (➜ Lesen Sie auch: 24 Stunden Gänsehaut). Auf dem Hochgeschwindigkeitskurs an der Sarthe trat BMW 1999 mit dem BMW V12 LMR an, einem Sportwagenprototyp. Einen Tag lang rasten Joachim Winkelhock (Deutschland), Pierluigi Martini (Italien) und Yannick Dalmas (Frankreich) Runde um Runde auf der Ideallinie (➜ Lesen Sie auch: Perfekt durch die Kurve) über die Strecke, vor Hunderttausenden Zuschauern. Dabei spulten die Fahrer in ihrem BMW Rennwagen mit dem V12-Motor 366 Runden ab und kamen auf insgesamt 4.983 Kilometer. Das bedeutete einen Schnitt von 207 Stundenkilometern – und den Sieg in der Gesamtwertung.

BMW M3 DTM (2012)

Champion Bruno Spengler bei der Zieleinfahrt 2012 in Hockenheim (Deutschland).

Ein Siegerfahrzeug war auch der BMW M3 von 2012. Im Jahr des Comebacks von BMW in der DTM raste der Sportwagen auf Anhieb zum Triumph in der Fahrer-, Team- und Herstellerwertung der Deutschen Tourenwagen Masters. Mehr ging nicht. Vor allem auch, weil sich Bruno Spengler (Kanada) in seinem rund 480 PS starken BMW M3 erst im letzten Rennen an die Spitze der Gesamtwertung setzte.

BMW Z4 GT3 (2015)

Ein BMW Z4 GT3 beim 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps (Belgien).

Wie feiert man seinen Ausstand standesgemäß? Mit einem Sieg! Das gelang 2015 dem BMW Z4 GT3 in Spa-Francorchamps (Belgien). Elf BMW Z4 waren am Start, als Erster über die Ziellinie rollte der BMW Rennwagen mit der Nummer 46. Dabei kämpfte sich der BMW Z4 von einem zwischenzeitlichen 30. Platz bis an die Spitze. Ganz oben auf dem Treppchen standen dann Lucas Luhr (Deutschland), Nick Catsburg (Niederlande) und Markus Palttala (Finnland) nach 24 Stunden Racing. Alex Zanardi (Italien), Bruno Spengler (Kanada) und Timo Glock (Deutschland) schieden kurz vor Rennende aus. Wichtiger war jedoch, dass BMW zeigen konnte, dass auch ein Rennwagen, der auf einen Fahrer mit körperlichem Handicap zugeschnitten ist, schnell unterwegs sein kann.

BMW iFE.18 (2019)

Zweikampf im eigenen Rennstall: die Werksfahrer António Félix da Costa und Alexander Sims duellieren sich 2019 beim E-Prix von Marrakesch (Marokko) in der Formula E.

Nach elf historischen Rennwagen von BMW, die mit Verbrennern von Sieg zu Sieg eilten, schließt ein E-Rennfahrzeug (➜ Lesen Sie auch: Der große Elektroautovergleich) diese Liste der Meilensteine der BMW Motorsport-Geschichte vorläufig ab. Der BMW iFE.18 steht zudem für den Wechsel im Automobilbau. BMW zeigt, dass Autos auch mit Strom auf den Rennstrecken schnell unterwegs sind.

Fotos: BMW/BMW Group Archiv; Autor: Nils Arnold; Illustrationen: Carolin Wabra