Mit dem Baby im Auto entspannt und sicher ans Ziel

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Die einen schlafen nach vier Sekunden im Kindersitz ein, die anderen schreien vier Stunden durch. Eine lange Autofahrt mit Baby kann viele Frequenzen und Facetten haben. Langweilig wird es nie. Damit alle möglichst wenig Stress haben, beantworten wir Ihnen die wichtigsten Fragen zum Thema Kinder und Babys im Auto.

30. Januar 2020

Wir lieben unsere Kinder über alles. Aber ein unzufriedenes Baby auf der Rückbank kann unsere Geduld schon mal auf die Probe stellen. Baby- und Kindergeschrei liegt bei 80 bis 120 Dezibel. So laut wie ein ankommender Krankenwagen. Oder ein Presslufthammer. Ein unerträglicher Geräuschpegel, komprimiert auf vier Quadratmeter. Fluchtchancen: 0 Prozent. Die Realität vieler Eltern, wenn sie mit dem Baby verreisen. Wenn Ihre Stressresistenz so groß ist wie das Lungenvolumen Ihres Nachwuchses – Glück gehabt. Wenn nicht, lesen Sie weiter. Hier sind alle Antworten auf die Fragen rund ums Thema Autofahren mit Babys und Kindern. Zugegeben: Missen möchte man die süßen Schreihälse trotzdem niemals! Damit Sie sicher und entspannt mit Ihrem Liebsten ans Ziel kommen.

1.

Wo sitzt Ihr Kind am sichersten?

Beifahrersitz, Mittelplatz oder ein Fensterplatz auf der Rückbank – wo sitzt Ihr Kind im Auto am sichersten? Jasmin Bozem, Spezialistin Entwicklung für Kindersicherheit bei BMW, rät zum Platz hinter dem Beifahrer, da auf den Außenplätzen der Rückbank zumeist Gurtstraffer zur Standardausrüstung gehören. Zudem liegt der Sitz hinter dem Beifahrerplatz beim Parken auf der Bordsteinseite und ist fernab vom Verkehr beim Ein- und Ausstieg sicher zu erreichen. Das Kind lässt sich hier bequem anschnallen. Ein weiterer Pluspunkt gegenüber dem Platz hinter dem Fahrer ist, dass die Wahrscheinlichkeit eines Seitenaufpralls bei Unfällen geringer ist.

Gurtstraffer sind dagegen beim Mittelplatz auf der Rückbank selten zu finden. Außerdem verfügen die wenigsten Autos auf den Mittelplätzen über das sogenannte ISOFIX-System, ein genormtes Befestigungssystem für Kindersitze. Der große Vorteil des Mittelplatzes: Dort ist bei einem Unfall die Knautschzone am größten.

2.

Was sollten Sie beachten, wenn Ihr Kind auf der Beifahrerseite sitzt?

Das Baby schreit auf der Rückbank und will zu Ihnen. Sie haben bereits alles versucht. Doch der Nachwuchs hat seine Frequenz auf schrillen Daueralarm gestellt. Ihre Nerven liegen blank. Ihre letzte Hoffnung: Das Kind neben sich auf die Beifahrerseite setzen, damit es sich beruhigt. In Deutschland, Österreich und der Schweiz dürfen es sich Kinder und Babys ab 0 Jahren vorne auf dem Beifahrersitz gemütlich machen. Es ist jedoch statistisch gesehen der unsicherste Platz im Auto.

Noch riskanter ist jedoch eine Fahrt mit einem gestressten Elternteil am Steuer. Als Fahrer sind Sie selbst für Ihre Sicherheit und die Ihres Kindes verantwortlich und dürfen sich nicht von Ihrem Nachwuchs ablenken lassen. Einzige Regel beim Transport auf dem Beifahrersitz: Bei rückwärtsgerichteten Babyschalen muss der Beifahrer-Airbag immer ausgeschaltet werden. Wie das geht, steht in der Bedienungsanleitung Ihres Autos.

Auf nach vorne gerichteten Kindersitzen darf der Nachwuchs nicht zu nah am Frontairbag sitzen. Der Beifahrersitz muss auf die hinterste Position geschoben werden, dann sind die kleinen Passagiere durch den Airbag gut geschützt.

3.

Was müssen Sie beim Kauf des Kindersitzes wissen?

Sie trauen sich zu, eine Doktorarbeit über den Kauf des richtigen Kinderwagens zu schreiben, nachdem Sie sich Wochen damit beschäftigt haben? Die Recherche für den passenden Kindersitz nimmt mindestens genauso viel Zeit in Anspruch. Versprochen! Hier ein paar Tipps, um es Ihnen leichter zu machen:

Babyschale
Die Geburt des eigenen Babys ist der wahrscheinlich schönste Moment im Leben der Eltern. Zu Recht! Dafür nehmen sie in Deutschland auch gerne in Kauf, die nächsten 12 Jahre (oder bis 1,50 Meter Körpergröße) ihren Sprössling auf einem Kindersitz durch die Gegend zu chauffieren. In Österreich sogar bis zum 14. Lebensjahr. Ihr Kind kommt leider nicht mit Betriebsanweisung, Ihr Auto schon. Im Bordbuch steht, welcher Sitz für welches Auto geeignet ist. Auch in der Kindersitz-Anleitung finden Sie Informationen, für welche Modelle die Rückhaltesicherung geeignet ist. Los geht es mit der verpflichtend rückwärtsgerichtet montierten Babyschale. Kleinkinder bis 13 Kilogramm müssen in dieser platziert werden, nach i-Size-Norm bis zu einem Alter von 15 Monaten. Die Empfehlung von Jasmin Bozem geht über die gesetzlichen Vorgaben hinaus: „Transportieren Sie Ihr Kind so lange wie möglich rückwärtsgerichtet!“

Kindersitze
Lassen Sie sich nicht abschrecken. Auch wenn die Übersicht über die verschiedenen Kindersitze wie eine mathematische Gleichung aussieht, müssen Sie kein Genie sein. Entscheidend sind in der Regel Größe, Alter und Gewicht. Folgende zwei Kindersitz-Kategorien gibt es auf dem Markt:

  • Die Universalen: Dazu gehören die universal-gegurteten Kindersitze: Hier erfolgt die Sicherung allein mit dem Fahrzeuggurt. Des Weiteren die Universal-ISOFIX-Kindersitze: Das sind Kindersitze des ISOFIX-Systems plus Top Tether. Hier liegt es in der Verantwortung des Käufers zu checken, ob das Fahrzeug für die ISOFIX-Klasse zugelassen ist (die Information dazu findet Sie im Bordbuch).

  • Die Semi-Universalen: Semi-universal-gegurtet bedeutet, dass der Fahrzeuggurt und ein weiterer Befestigungspunkt wie ein Stützfuß, Lower Tether oder Top Tether zur Sicherung herangezogen werden. Im Unterschied dazu gibt es die Kindersitze der Kategorie Semi-Universal-ISOFIX: 1. ISOFIX oder 2. ISOFIX zusammen mit einem weiteren Befestigungspunkt oder 3. ISOFIX mit Top Tether und einem weiteren Befestigungspunkt wie Fahrzeuggurt, Stützfuß oder Lower Tether.
Ob der Sitz letztendlich der richtige für das Auto ist, sehen Sie nur bei einer Sitzprobe im Fahrzeug.
Jasmin Bozem

Spezialistin Entwicklung, Eigenschaftsverantwortliche Kindersicherheit BMW

Die Kindersitze selbst werden zudem in Gruppen eingeteilt, hier die nach ECE-R44:

  • Gruppe 0: bis 10 kg/bis 9 Monate

  • Gruppe 0+: bis 13 kg/bis 18 Monate

  • Gruppe 1: 9 bis 18 kg/bis 4 Jahre

  • Gruppe 2: 15 bis 25 kg/bis 7 Jahre

  • Gruppe 3: 22 bis 36 kg/ab 7 Jahre

Im Gegensatz dazu orientiert sich die europäische i-Size-Einteilung (ECE-R129) an der Größe des Kindes. Außerdem setzt diese Norm eine ISOFIX-Anbindung voraus. Allerdings gilt für i-Size, dass das Gewicht des Kindes zusammen mit dem Gewicht des Kindersitzes 33 Kilogramm nicht überschreiten darf. 

Sitzerhöhung
Sobald das Kind mindestens 15 Kilogramm wiegt, genügt in Deutschland, Österreich und in der Schweiz eine Sitzerhöhung, die auch auf dem Beifahrersitz platziert werden darf. Diese sollte eine Rückenlehne besitzen, um das Kind bei einem Seitencrash ausreichend zu schützen.

Der Kauf
Gewusst? Von der Geburt bis zum 12. Lebensjahr geben Sie für Ihr Kind im Durchschnitt ca. 80.000 Euro aus. Am Kindersitz dürfen Sie definitiv nicht sparen. Er ist eines der wenigen Dinge für Ihr Kind, das Sie nicht gebraucht als Schnäppchen ergattern sollten.

Es kommen nur Kindersitze infrage, die von der europäischen Organisation Economic Commission for Europe (ECE) freigegeben sind und ein gültiges Prüfsiegel tragen. So sind Sitze mit dem Prüfnormsiegel ECE-R 44/01 und 44/02 nicht mehr zugelassen. I-Size (ECE-R129), ECE-R 44/04 und 44/03 sind dagegen aktuell.

„Ob der Sitz letztendlich der richtige für das Auto ist, sehen Sie nur bei einer Sitzprobe im Fahrzeug“, erklärt Jasmin Bozem, Spezialistin Entwicklung für Kindersicherheit bei BMW. Nur so zeigt sich, ob ein Sitz von den Maßen her zum Auto passt und die Gurte gut zu erreichen sind. Wenn Sie hinter diesen Punkten einen Haken setzen können, darf auch Ihr Nachwuchs zum Probesitzen Platz nehmen.

4.

Wie montieren Sie den Kindersitz?

Ist doch kinderleicht! Das denkt die Hälfte aller Eltern und macht es falsch. 

Denn Untersuchungen zeigen, dass in knapp 50 Prozent aller Fälle die Kindersitze nicht vorschriftsgemäß montiert sind. Für die meisten sind Gebrauchsanweisungen so spannend zu lesen wie ein Telefonbuch. Beim Kindersitz sollten Sie eine Ausnahme machen und gründlich hinschauen.

Folgendes ist wichtig für die korrekte Montage:

  • Für Kinder bis mindestens 15 Monate oder mit einem Gewicht von bis zu 13 Kilogramm ist die Nutzung eines rückwärtsgerichteten
    Kindersitzes Pflicht. Autositze für Säuglinge sind Babyschalen und gehören immer entgegen der Fahrtrichtung montiert.

  • Kindersitze können über autoeigene Gurtanlagen oder mittels ISOFIX im Fahrzeug installiert werden. Der Vorteil dieses Systems: eine schnelle und einfache Handhabung. ISOFIX-Befestigungen finden sich jedoch nicht in jedem Auto.
Sicherheit muss stets vor Komfortaspekten kommen.
Jasmin Bozem

Spezialistin Entwicklung, Eigenschaftsverantwortliche Kindersicherheit BMW

5.

Wie schnallen Sie Ihr Kind richtig an?

Sie sind Eltern. Stress ist Ihr zweiter Vorname. Nehmen Sie sich trotzdem vor der Abfahrt Zeit, Ihren Nachwuchs gewissenhaft und richtig anzuschnallen. Und nicht so, wie es für Ihr Kind am bequemsten ist. „Sicherheit muss stets vor Komfortaspekten kommen“, empfiehlt Jasmin Bozem, Spezialistin Entwicklung für Kindersicherheit bei BMW. Folgende Punkte empfehlen die Experten:

  • Der Gurt muss stets straff anliegen. Deshalb sollte Ihr Kind keine dicke Kleidung tragen. Winterjacken oder Skianzug also vor der Fahrt unbedingt ausziehen.
  • Eng anliegen bedeutet, dass zwischen Gurt und Körper Ihre flache Hand passen sollte – mehr nicht. Ihr Kind darf sich den Gurt nicht unter die Achseln schieben können.
  • Vergessen Sie nicht, den Gurtverlauf an die Größe Ihres Kindes anzupassen, vor allem an den Schultern. Der Beckengurt darf nicht zu locker sitzen.
  • Sperren Sie die hinteren Türen mit der Kindersicherung zu, falls Ihr Nachwuchs beschließt, während der Fahrt auszusteigen.

Genauso wichtig wie das Anschnallen ist übrigens das Abschnallen der Babys und Kinder. Nehmen Sie Ihren Nachwuchs immer mit, wenn Sie das Auto verlassen. Insbesondere im Sommer ist dies ein Muss! Denn bei Wärme oder Hitze und hoher Sonneneinstrahlung steigen die Temperaturen im Fahrzeuginneren enorm schnell an. Selbst wenn die Fenster eine Spalt geöffnet sind, können die Temperaturen rasch in einen für die Gesundheit des Kindes gefährlichen Bereich klettern. Zudem schwitzen Kinder weniger als Erwachsene und heizen dementsprechend schneller auf. Es besteht Lebensgefahr.

6.

Wie lange darf eine Autofahrt mit Ihrem Baby dauern?

Auch wenn Sie Ihren frischen Nachwuchs dem Freundeskreis und der gesamten Verwandtschaft vorstellen wollen, bleiben Sie vorerst zu Hause oder im Umkreis. Planen Sie lange Autofahrten mit dem Baby erst ab einem Alter von drei Monaten. Zuvor ist die Muskulatur des Babys noch zu schwach, um beispielsweise Stöße beim Fahren abfedern zu können. Länger als zwei Stunden am Stück sollte eine Fahrt nicht dauern. Ab einem Alter von drei Monaten darf eine Autofahrt für den Nachwuchs auch weiter weg gehen. Es empfiehlt sich jedoch, als Fahrer viel Geduld mitzubringen. Zahlreiche Pausen, bei denen Sie das Baby immer aus der Schale nehmen, gehören dazu.

7.

Wie beschäftigen Sie Ihren Nachwuchs während der Fahrt?

„Wann sind wir endlich daaaa?“ Fünf Wörter, die Sie von Ihrem Kind öfters hören werden. In Dauerschleife. Die meisten Erziehungswissenschaftler raten dazu, die Langeweile bei Kindern zuzulassen und nicht darauf zu reagieren. So lernen sie, damit umzugehen. Leichter gesagt als getan. Ein schreiendes Baby oder ein quengelndes Kind kann die Nerven extrem strapazieren. Der kleine Schreihals fühlt sich im Sitz eingeengt, gelangweilt und möchte zu Mama oder Papa. Das Zauberwort: Entertainment! Kinder und Babys wollen unterhalten werden, hier einige Tipps:

  • Spielzeug sollte immer zur Hand sein. Wenn möglich, mit einer kurzen Kette oder Schnur am Sitz befestigt, um einen unfreiwilligen Stopp zu vermeiden. Und vergessen Sie nicht das Kuscheltier. Sonst kann es sein, dass Sie auf halber Strecke umkehren müssen.

  • Besorgen Sie Spielzeug exklusiv nur für Ihr Auto. Sie werden nicht glauben, wie sehr sich Ihr Kind auf jede Fahrt freuen wird. 

  • Es gibt zahlreiche Spiele, mit denen sich die ganze Familie die Zeit vertreiben kann: „Ich sehe was, was du nicht siehst“, „Autokennzeichen raten“ usw.

  • Wenn Ihr Kind nicht unter Reiseübelkeit leidet, sind ein Tablet, Bücher und Malutensilien ideal, um es zu beschäftigen.

  • Zu guter Letzt: Oldie but Goldie. Das Hörspiel! Durch die Connected Drive Services auch direkt im Entertainment-System eines BMW verfügbar.
8.

Was tun, wenn Ihr Kind unter Reiseübelkeit leidet?

Was ist noch störender als Gequengel aus dem Mund des kleinen Passagiers? Das Abendessen vom Vorabend – auf den Autositzen verteilt. Reiseübelkeit beginnt bei den Kleinsten in der Regel ab zwei Jahren. Dann ist der Gleichgewichtssinn vollständig ausgebildet und der Körper realisiert bewusst, dass ruhiges Sitzen im fahrenden Auto nicht zusammenpasst. Für jede Spritztour sollten sich dann Plastiktüten und Feuchttücher in Ihrem Auto befinden. Wie können Sie verhindern, dass Ihr Auto nach jedem Urlaub eine Innenreinigung benötigt? 

Diese Tipps helfen:

  • Fahren Sie nachts oder zu den Zeiten, in denen Ihr Kind normalerweise schläft. Ein schlafendes Kind kann sich nicht übergeben.

  • Passen Sie Ihre Fahrweise an. Langsam durch die Kurven, nicht abrupt bremsen, Ihre Sitzpolster werden es Ihnen danken.

  • Kinder, die essen, schreien nicht und sind beschäftigt. Trotzdem: Ihr Kind braucht kein All-you-can-eat-Buffet während der Fahrt. Ein voller Magen ist gleich mehr Munition.

  • Kaugummikauen kann bei Erwachsenen helfen, die Übelkeit zu unterdrücken. Für Kleinkinder sind Kaugummis jedoch tabu.

  • Bei Büchern oder Tablets fehlt der oben genannte optische Bezug zur Fahrumgebung. Besser: die guten alten Hörbücher.
9.

Welches Zubehör sollten Sie an Bord haben?

Neben dem Kindersitz und der Babyschale gibt es weitere Anschaffungen für Ihr Auto, die durchaus Sinn machen. Gerade im Sommer geht kein Weg an einem Sonnenschutz fürs Auto für Ihr Baby vorbei. Wenn Sie die Polster Ihres Wagens vor Druckstellen durch den Kindersitz und die Lehne der Frontsitze vor Schmutz und Essensresten schützen wollen, gibt es auch eine Lösung: 
Kindersitzunterlagen und Lehnenschutz. Von den beliebten Autospiegeln für Babys ist hingegen abzuraten. Sie werden an der Rücksitzlehne befestigt, um den Nachwuchs in rückwärtsangebrachten Sitzschalen vom Fahrersitz aus im Blick zu haben. Doch diese lenken Fahrerin oder Fahrer zu sehr vom Verkehrsgeschehen ab.

Autor: Nils Arnold; Illustrationen: Zohar Lazar